Wappen des Kurkölnischen Sauerlandes

(H)Franziska Seibertz, 1855

(H)Winterberg

(H)Gabelkreuz in Scharfenberg

(H)Wocklum

(H)Krippe auf Schloß Melschede

(H)Arnsberg

(H)Waldskulpturenweg

(H)Hof in Kirchveischede

(H)Fluß

(H)Herbstwald

(H)Mitgliederversammlung-Schloß Amecke

140 Jahre am Sophienhammer
Die Entwicklung der Firma Julius Cronenberg oHG und ihre Auswirkungen auf Müschede
Das Familienunternehmen blickt auf eine 300jährige Firmengeschichte zurück
von Dr. Jürgen Schulte-Hobein

Sauerland Heft 4/ 2010

Sophienhammer-1

Belegschaft im Jahre 1902
mit dem Firmenchef Carl Julius Cronenberg (zweite Reihe 8. v. li.)

Die Firma Julius Cronenberg oHG mit Sitz im Arnsberger Ortsteil Müschede feiert in diesem Jahr ihr 300jahriges Firmenjubiläum. 1711 hatte Caspar Cronenberg in Gevelsberg den Betrieb mit einem Reck- und Sensenhammer gegründet, ehe ihn Johann Wilhelm Cronenberg 1855 ins Möhnetal nach Körbecke verlegte. Dessen Sohn Carl Julius Cronenberg wollte die Produktionskapazitäten ausweiten, kaufte 1870 den bei Müschede gelegenen Sophienhammer und nahm hier im folgenden Jahr die Produktion auf.

Müschede war damals ein kleiner unbedeutender Ort mit etwa 400 Einwohnern. Hinzu kamen etwa 100 Menschen, die in den acht Hammerhäusern lebten. Das Dorf hatte weder eine Kirche noch einen Friedhof und gehörte zur Petri-Pfarrei Hüsten. An der Schule unterrichtete nur ein Lehrer ohne pädagogische Ausbildung. Als einziger Verein existierte die im Jahre 1450 gegründete St.-Hubertus-Bruderschaft.

Carl Julius Cronenberg stellte die Produktion auf das industrielle Schmieden von Sensen um und ließ. alle hierfür unbrauchbaren Betriebsgebäude abreißen und neu errichten. Die Energie lieferte der aus der Rohr abgeleitete Hammergraben. Das Unternehmen blühte bald auf und expandierte. 1886 erfolgte die Anlage einer Eisengießerei und einer Maschinenwerkstatt. In den folgenden Jahren traten die drei Söhne Ewald Julius, Heinrich und Wilhelm in die Firma ein. Durch ihre Unterstützung konnte die Tagesleistung von 100 Sensen im Jahr 1871 auf 1000 Sensen bis zur Jahrhundertwende verzehnfacht werden. Kontinuierlich wurden neue Arbeitskräfte eingestellt, 1914 beschäftigte das Unternehmen bereits 100 Mitarbeiter, die Einwohnerzahl erhöhte sich hierdurch auf ca. 1000.

Das Aufblühen des Hammers führte zu einer nachhaltigen Belebung des Dorflebens, verbunden mit einem Ausbau der Infrastruktur. Bereits 1871 war eine kleine Kirche errichtet worden, 1897 erhielt Müschede einen eigenen Vikar. Ewald Julius Cronenberg sorgte dafür, dass die Kirchengemeinde kurz nach der Jahrhundertwende selbstständige Pfarrei wurde, sodass die Kinder im Dorf getauft werden und die Erstkommunion empfangen konnten. Weitere Maßnahmen waren die Anlage eines Friedhofs und die Errichtung eines neuen Schulgebäudes, in dem vier Lehrer mit pädagogischer Ausbildung die wachsende Schülerzahl unterrichteten. 1883 entstand als zweiter Verein im Dorf der Männergesangverein „Harmonie“. 1899 bildete sich zur Förderung der Kameradschaft und der Geselligkeit unter den Soldaten ein „Kriegerverein“ unter dem Vorsitz des damals 23jährigen Wilhelm Cronenberg.

Im Jahre 1900 nahm die Rohrtalbahn zwischen Hüsten und Sundern ihren Betrieb auf. Die Firma Cronenberg stellte für den Bahnhof, der die Bezeichnung „Sophienhammer bei Müschede“ erhielt, direkt am Werk ein Grundstück zur Verfügung und bekam im Gegenzug ein eigenes Werksgleis. Die Eröffnung einer Postagentur, der Spar- und Darlehnskasse mit dem Vorsitzenden Ewald Julius Cronenberg, der Bau einer öffentlichen Wasserleitung und die Elektrifizierung des Dorfes führten zu weiteren Verbesserunge

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Mü¼schede und der Sophienhammer um 1910

1902 wandelte Carl Julius Cronenberg das Unternehmen in eine offene Handelsgesellschaft um und nahm seine drei Söhne als Gesellschafter auf. Zwei Jahre später starb er im Alter von 67 Jahren. Durch sein Engagement hatte sich der Sophienhammer zu einem bedeutenden Unternehmen entwickelt, wodurch sich auch Müschede von einem nahezu ausschließlich durch die Landwirtschaft geprägten Anwesen zu einem Ort mit Industrie, Handel und Verkehr verändert hatte.

Die drei Söhne setzten den Aufschwung fort. Durch die Übernahme der Sensenschmiede F. Athmer bei Osnabrück und der Aufnahme einer Milchzentrifugen-Fabrikation erweiterten sie den Betrieb. Ewald Julius und Wilhelm Cronenberg übten für die Zentrumspartei verschiedene politische Mandate aus. Sie waren Mitglied der Müscheder Gemeinde- und der Hüstener Amtsvertretung. Wilhelm wurde stellvertretender Bürgermeister Müschedes und Ewald Julius Mitglied des Arnsberger Kreistages im Wahlverband der größeren Grundbesitzer. Maßgeblich forderten sie die Entwicklung des Vereinslebens.

Als 1907 der TuS Müschede gegründet wurde, stifteten sie die ersten Turngerate und stellten für die Turnübungen eine Wiese zur Verfügung. Zwei Jahre später übernahm Wilhelm Cronenberg den Vereinsvorsitz. 1910 gründete Wilhelm Cronenberg die Freiwillige Feuerwehr Müschede und übernahm selbst das Amt des Wehrführers, ehe er es nach einem Monat an seinen Bruder Ewald Julius übergab, der bis 1934 Wehrführer blieb. Die Brüder stellten einen Raum als Mannschafts- und Gerätehaus zur Verfügung und sorgten für die Anschaffung von Uniformen sowie einer neuen Feuerspritze.

Am 1. August 1914 brach der Erste Weltkrieg aus. Wie fast überall war man auch in Müschede von einem schnellen Sieg der deutschen Truppen überzeugt. Nach der Marneschlacht im September 1914 erstarrte die Front im Stellungskrieg, von Kriegsbegeisterung war nicht mehr viel zu spüren Die unerwartet lange Dauer des Krieges führte zu einem erhöhten Bedarf des Heeres an Kriegsmaterial. Der Sophienhammer arbeitete mit eingeschränkter Produktion, musste ab Dezember 1914 Geschosse für die Front herstellen und wurde zu einer Kriegssteuer in Höhe von 22 500 Mark verpflichtet, was in etwa dem Monatslohn von 200 Arbeitern entsprach. Anders als sein Bruder hatte Wilhelm Cronenberg an die Front gemusst. Als er im Frühjahr 1915 mit 39 Jahren aus dem Krieg zurückkehrte, wählte ihn die Müscheder Gemeindevertretung einstimmig zum neuen Bürgermeister und seinen Bruder Ewald Julius zum neuen stellvertretenden Bürgermeister.

Nach Kriegsende am 11. November 1918 normalisierten sich auf dem Sophienhammer allmählich die Produktionsabläufe. Die Munitionsherstellung wurde eingestellt, man konzentrierte sich auf die Sensenproduktion, nahm die Milchzentrifugenfabrikation wieder auf und errichtete zusätzlich eine Sauerstoffgewinnungsanlage. Durch den steigenden Energiebedarf mussten die alten Wasserräder durch eine Turbinenanlage ersetzt werden und zusätzlich Strom vom Kreiselektrizitätswerk Arnsberg bezogen werden. Ewald Julius Cronenberg sorgte als Mitglied der Kreiselektrizitätskommission für den Ausbau der Elektrifizierung im Kreis Arnsberg.

Nach dem frühen Tod ihres Bruders Heinrich im Jahre 1922 führten Ewald Julius und Wilhelm Cronenberg das Unternehmen fort. Sie sorgten dafür, dass den Hinterbliebenen der Weltkriegsgefallenen eine Unterstützung von 150 Mark gezahlt und im Dorf ein Kriegerehrenmal errichtet wurde, das dauerhaft an die 32 gefallenen Müscheder erinnern sollte. Auch für den Bau einer größeren Kirche setzten sie sich ein und spendeten hierfür 10 000 Reichsmark. Im Gegenzug reservierte der Kirchenvorstand der Familie Cronenberg auf 50 Jahre eine Kirchenbank zur alleinigen Nutzung. Nach heftigen Diskussionen über den richtigen Standort der Kirche weihte Landrat Dr. Heinrich Haslinde das neue Gotteshaus im November 1932 ein.

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Wilhelm (1905-1984) und Franz-Julius Cronenberg (1900-1982)
vor dem Sensophon

Inzwischen hatte sich in Deutschland die politische Lage dramatisch verändert. Die Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise von 1929 führten zu einer Massenarbeitslosigkeit von über sechs Millionen, verbunden mit einer Radikalisierung der Wähler zugunsten der Kommunisten und vor allem der Nationalsozialisten. Die Menschen im kurkölnischen Sauerland standen dennoch in der großen Mehrheit hinter der Zentrumspartei. In Müschede gewann das Zentrum bei der Reichstagswahl vom 31. Juli 1932, als die NSDAP vor dem Hintergrund freier Wahlen auf dem Höhepunkt stand, mit großem Abstand die absolute Mehrheit, während die NSDAP mit nur 11,5 % weit abgeschlagen blieb. Dennoch konnten auch die Menschen im kurkölnischen Sauerland die Errichtung der nationalsozialistischen Diktatur nicht verhindern. Nach dem 30. Januar 1933 wurden zahlreiche verdiente Amts- und Würdenträger aus ihren Ämtern entlassen. Hierzu zahlten der sozialdemokratische Arnsberger Regierungspräsident Max König und Landrat Dr. Haslinde als Mitglied der Zentrumspartei.

Der neu ernannte nationalsozialistische Regierungs-Vizepräsident Eugen Dellenbusch war auch „Führer“ des SGV und forderte Bürgermeister Cronenberg auf, im Dorf einen Ortsverein des SGV zu gründen. Daraufhin traten 30 Wanderfreunde dem neuen SGV Müschede bei. Den Vorsitz übernahm Wilhelm Cronenberg selbst.

Im Sommer 1933 trat Wilhelm Cronenberg jun. (1905-1984) in das Unternehmen ein. Der Erwerb des renommierten Sensenwerks Andreas Schilli in Oberursel im Jahre 1939 bedeutete eine erneute Betriebsvergrößerung. Im selben Jahr starb Ewald Julius Cronenberg im Alter von 71 Jahren, ein Jahr später übernahm sein Sohn Franz-Julius die Nachfolge. …


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