Wappen des Kurkölnischen Sauerlandes

(H)Franziska Seibertz, 1855

(H)Winterberg

(H)Gabelkreuz in Scharfenberg

(H)Wocklum

(H)Krippe auf Schloß Melschede

(H)Arnsberg

(H)Waldskulpturenweg

(H)Hof in Kirchveischede

(H)Fluß

(H)Herbstwald

(H)Mitgliederversammlung-Schloß Amecke

Sauerland Heft 1/ 2017

Die Glashütten im Rumbecker Forst 1750–1759 und im
Arnsberger Wald 1767–1786
Gerd Dethlefs

201711

Quittung von Franz Heinrich Fleckenstein für den Freiherrn von Landsberg zu Wocklum 1759

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Glashütten im kurkölnischen Sauerland sind in dieser Zeitschrift
schon 1965 von Carl Kessemeier (1900–1985) und von Reinhard Köhne
(Meschede) 2003 in ebenso knappen wie instruktiven Beiträgen gewürdigt
worden. Neue, im Rahmen des seit 2000 arbeitenden „Westfälischen
Glasforum“ unternommene Forschungen ermöglichen nun präzisere
Erkenntnisse zu Produkten und zum Hüttenpersonal – durch die Auswertung
der Kirchenbücher, von Rechnungsserien im Archiv des Grafen von
Landsberg-Velen im Landesarchiv Westfalen (früher Staatsarchiv Münster)
sowie unter den Handakten des 1781 zum westfälischen Oberforstmeister
ernannten Freiherrn Friedrich von Boeselager zu Höllinghofen (1743-1805).

I. Die Rumbecker Glashütte 1750–1759

Die Chronik des Prämonstratenserinnenklosters Rumbeck bei Arnsberg
berichtet über den Propst Pater Ernst Arndts OPraem (+ 1754), „im Jahr
1749 nahm er auf 10 Jahre die im Rumbecker Forst gelegene Glashütte in
Betrieb, und verwendete das daselbst dem Kloster zugehörige Holz mit dem
größten Nutzen dazu. Die Stelle, wo diese Hütte einstens gestanden,
führt noch bis auf den heutigen Tag den Namen Glashütte.“ Der Betrieb
lag am Tal des Strummeckebaches wenige Kilometer südöstlich des Klosters
und wurde gleichzeitig mit einem Eisenhammer an der Ruhr angelegt – um
die Einnahmen des Klosters zu verbessern. Der genutzte Wald befand sich
im Eigentum des Klosters. Das Archiv des Klosters Rumbeck enthält leider
keine Akten mehr dazu.

Das Hüttenpersonal

Angesichts des Quellenmangels in den staatlichen Archiven bilden die
Kirchenbücher der Pfarrei St. Laurentius zu Arnsberg-Wedinghausen
wertvollen Aufschluss über das Hüttenpersonal: dem dortigen
Prämonstratenserstift oblag auch die Betreuung des Klosters Rumbeck, das
eben noch keine eigenen Pfarrechte besaß. In den Arnsberger
Kirchenbüchern werden zwischen 1750 und 1759 die Namen von 30
Angehörigen der Glashütte genannt, vorher keine und danach keine! Es
sind die Namen von 8 Männern, 7 Frauen und 15 Kindern, bei 10 Taufen, 9
Sterbeeinträgen und 1 Trauung. Aufgrund von Herkunftsangaben in den
Kirchenbüchern und dank der Publikation des „Glasmacher-Sippenbuches“
von Klaus Kunze (2000), der zahlreiche Kirchenbücher an
Glashüttenstandorten im Oberweserraum ausgewertet hat, lassen sich viele
der Glasmacher im Rumbecker Wald identifizieren.

Als Hüttenvorsteher wird 1755 Johann Henrich Fleckenstein – übrigens als
„acatholicus“, genannt. Er ist wahrscheinlich mit Franz Heinrich
Fleckenstein (1721–1781) identisch, was eine auf 1759 datierte, von
diesem als „Glasmeister“ unterschriebene Quittung nahelegt (Abb. 1). Er
war der jüngste Sohn des Johannes Fleckenstein (* Wickenrode am
Kaufunger Wald 1673), der ab 1704 eine Glashütte bei Schwalenberg
betrieb und 1727–1751 mit seinem Schwiegersohn Johann Jost Becker zwei
Glashütten bei Kohlstädt (nahe Horn, Grafschaft Lippe) besaß.

Weitere Glasmacher gehörten der calvinistischen Glasmachersippe Gondola
/ Gundelach und der lutherischen Familie Runge an, die aus dem
hannoverschen Weserbergland stammte.

1755 heirateten in Arnsberg Conrad Lippert und Elisabeth Catharina
Runge, beide nicht katholisch. Trauzeuge war der Hüttenmeister
Fleckenstein. Der Ehemann stammte aus der weitverzweigten hessischen
Glasmacherfamilie Liphard / Lippert. 1758 Glasbläser in Königssteele
(Ruhr) in der Grafschaft Mark an der Grenze zu Essen, ließ das Paar dort
eine Tochter und 1764 einen zweiten Sohn taufen.

Der Bruder der Braut war Daniel Runge, verheiratet mit Dorothea
Charlotte Seidensticker genannt Rouschenberg / Rosenberg, die von 1751
bis 1759 als nicht katholisch vier Kinder taufen ließen. Runge gehörte
also zum Stammpersonal der Glashütte. Sein Bruder, der Lutheraner Johann
Georg Runge, verheiratet mit Catharina Elisabeth Gondola (reformiert),
ließ 1758 eine in Driburg getaufte fünfjährige Tochter begraben. Das
Ehepaar war inzwischen katholisch geworden.

Als der wohl katholische Glasmacher Johann Seidensticker am 27.
September 1750 die Zwillinge Friedrich Ernst und den drei Tage später
verstorbenen Johann Arnold taufen ließ, fungierten der Propst Ernst
Arndts und die Priorin Maria Isabella von Mellin als Taufpaten. Bei den
nichtkatholischen Hüttenmitarbeitern wurden durchweg nichtkatholische
„Ehrenpaten“ neben katholischen Paten genannt. Da Johann Seidensticker
als Katholik galt – da er wohl katholisch getauft war – dürfte er ein
Spross einer der Glasmacherfamilien Seidensticker aus Dringenberg sein.
Den Glasmachern waren derlei konfessionelle Unterscheidungen offenbar
egal – an Hüttenstandorten in evangelischer Umgebung werden entsprechend
gelegentlich auch katholische Eltern genannt. Die mit den Fleckensteins
verschwägerten Seidensticker spielten bei der zweiten Hütte nach 1768
noch einmal eine Rolle.

Nicht aus alten Glasmacherfamilien stammte ein Ehepaar: Johann Georg
Lincke und Anna Maria Stifermann, beide auch nicht katholisch, die als
„Vagabunden“, also nichtsesshaft bezeichnet sind und vermutlich als
Gelegenheitsarbeiter bei der Hütte lebten; ihnen verstarb 1758 eine
Tochter, eine weitere wurde 1759 geboren.

Es ist unwahrscheinlich, dass damit das gesamte Hüttenpersonal erfasst
ist – zumal einzelne wie Conrad Lippert während der Tätigkeit der Hütte
auch anderswo – hier in Königssteele bei Essen – nachweisbar sind. Bis
auf die Hilfsarbeiter handelt es sich aber ausnahmslos um überwiegend
evangelische, lutherische wie reformierte Personen aus bekannten
Glasmacherfamilien des Weserraums, die verwandtschaftlich eng verbunden
waren – also ein Familienclan, der aus eng verbundenen Hütten bei
Dringenberg, Driburg und Schlangen jenseits der Grenze in der Grafschaft
Lippe zuwanderte. Es scheint, dass das Auslaufen der Hüttenkonzessionen
im Lippischen um 1749/50 Wanderungen in das Sauerland ausgelöst hat.

Die Produkte der Rumbecker Glashütte –
vom Fensterglas zum Bierglas

Ausweislich der Kirchenrechnungen lieferte die Rumbecker Hütte für den
1749 bis 1753 errichteten Neubau der Pfarrkirche im Nachbarort Freienohl
die Glasfenster.

Bisher ist nur eine einzige Quittung des Rumbecker Glasmeisters bekannt,
und zwar aus dem Archiv der Familie von Landsberg zu Wocklum. In den
Rechnungen des Hauses Wocklum finden sich zu 1759 Ausgaben für „12
Lichterformen und 6 Biergläser pro Stück 1 Batzen“ (à 3 Stüber, 1 Stüber
= 1/60 Taler), für „2 Douzen Carafinen“ (pro Stück 2 2/3 Stüber) und
eine „Kiste Fensterglaß“ für 6 ½ Tl. plus 1/3 Taler Fuhrlohn. Eine
Quittung ist erhalten und unterschrieben von Franz Heinrich Fleckenstein
als Glasmeister
(s. Abb. 1):

Auff gnädigen Befehl Sr. Excellentz des Herrn v. Landsbergen zu Wockelen
verabgefolgt

1 Kaste Fenster = glaß fac: 6 r. – „ – „ –
3 stück grose feine Bier Boutellien a 10 g: fa.– 30 groschen
2 stück grobe Bier Buttellen jede von 2 Maas a 1 ½ g. fa.– 3 gr. –
2 stück feine gerieffelte Weinflaschen jede von 1 Maas a 8 g, fa. – 16 –
4 Baum Oehl undt Eßig Kanlein a 1 ½ g: fa – 6 –
Summa 7 r. 19 g:


Glasehütt bey Rumbeck den 15ten July 1759 – F H Fleckenstein Glase Mstr. [...]

Die Quittung lässt wie die Wocklumer Jahresrechnung auf die für weiße
Glashütten üblichen Produkte schließen – feines und grobes Glas
gleichermaßen, Fensterglas wie Flaschen und Trinkgläser, Biergläser,
Carafinen und Lichterformen. Bisher lassen sich noch keine bestimmten
Objekte dieser Glashütte zuordnen, vielleicht wird das einmal mithilfe
archäologischer Funde gelingen. Die Fotos von Oberflächenfunden, die dem
zuständigen Förster, Herrn Blanke in Arnsberg verdankt werden (Abb. 2),
zeigen neben den typischen Schlackenresten grünliches Waldglas und auch
die Mitte einer Butzenscheibe.

Die Rechnungsbelege von 1759 sind nicht nur die einzigen, sondern auch
die letzten Belege für die Tätigkeit der Glashütte. Mit dem Auslaufen
des zehnjährigen Pachtvertrages Ende 1759 stellte sie ihre Arbeit ein.
Mitten im Siebenjährigen Krieg (1756–1763) hatten sich ohnehin die
Absatzbedingungen verschlechtert. Erst vier Jahre nach Kriegsende gelang
ein Neubeginn.

 


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