Wappen des Kurkölnischen Sauerlandes

(H)Franziska Seibertz, 1855

(H)Winterberg

(H)Gabelkreuz in Scharfenberg

(H)Wocklum

(H)Krippe auf Schloß Melschede

(H)Arnsberg

(H)Waldskulpturenweg

(H)Hof in Kirchveischede

(H)Fluß

(H)Herbstwald

(H)Mitgliederversammlung-Schloß Amecke

Finnentrop – eine Gemeinde in Bewegung

„Et mat liuter widdergohn, de Welt blitt nit stohn“
(eine alte von Erfahrung geprägte sauerländische Redensart)

Dietmar Heß - Bürgermeister der Gemeinde Finnentrop

Die Grundfarbe des Wappens der 1969 im Zuge der kommunalen Neuordnung gegründeten Gemeinde Finnentrop ist grün. In der Begründung des Wappens heißt es dazu: „Die Farbe Grün deutet auf die großen Grünflächen des Gemeindegebietes hin.“ Zu über 60 % besteht die Gemeinde aus Waldfläche, dazu kommen noch einmal über 20% Landwirtschaftsfläche. Land- und Forstwirtschaft und damit zusammenhängende Betriebe haben noch heute, aber tendenziell weiter abnehmend, Bedeutung für die örtliche Wirtschaft. Vor allem ist die Gemeinde mit ihrer Bevölkerung von 17.800 Einwohnern auch ein beachtlicher Standort von Industrie- und Gewerbebetrieben unterschiedlichster Branchen.

Finnentrop 01 Heft 2 2017

Kulturveranstaltung am Schloss Bamenohl
Foto: Gemeinde Finnentrop

Finnentrop, der Zentralort der Gemeinde, ist eben ein Kind des Industriezeitalters. Wegen der Brücke über die Lenne ins Biggetal, richtete man hier 1861 einen Haltepunkt der Ruhr-Sieg-Bahn ein – nur ein Haltepunkt, um Leute ein- und aussteigen zu lassen. Schon die Nachricht vom geplanten Haltepunkt genügte, um in dessen Nähe ein Hochofenwerk entstehen zu lassen und das seinerseits beförderte die Entscheidung, das Walzwerk der Hardtwalze bei Sondern hierher zu verlegen. Das Hochofenwerk war nach einem halben Jahrhundert schon wieder verschwunden, das Walzwerk besteht noch heute. Aus dem Haltepunkt wurde ein Bahnhof, aus dem Bahnhof ein Dreh- und Angelpunkt des Personen- und des Güterverkehrs. Mit dem Bedeutungsverlust des Schienenverkehrs und der Verlagerung des Verkehrs auf die Straße ging die Entwicklung rückwärts, die großen von Gleisanlagen und Werkstätten beanspruchten Flächen wurden nicht mehr benötigt. In der gleichen Zeit war daneben ganz ungeplant eine Ansiedlung entstanden, für die es bis zur Entscheidung des Regierungspräsidenten 1908 nicht einmal einen einheitlichen Namen gab, deren Bedeutung im Laufe der Zeit wuchs und die die der alten Orte der Umgebung überflügelte. So wirkt eine eher zufällig und mit wenig Bedacht getroffene Entscheidung von vor mehr als 150 Jahren bis heute nach. Städtebaulich galt es erheblich nachzuarbeiten. Und da hat sich in Finnentrop gerade in den letzten Jahren viel getan. Der Lennepark auf den Brachflächen der früheren Bahnanlagen und die Renaturierung der Lennewiesen gegenüber der „Thyssen-Kurve“ sind anschauliche Beispiele, wie man bislang unbeachtete Potentiale für Naturschutz und Freizeit entwickeln kann.

Finnentrop 02 Heft 2 2017

Der noch im Aufbau befindliche Industriepark Wiethfeld
Foto: Luftbild Hans Blossey, Hamm

Und doch spürt man, wie wirksam hier alte Traditionen sind, in diesem Fall die Nähe zu Technik und Handwerk. Deutlich wird das an der Wasserkraftnutzung: Finnentrop liegt zwar an keinem der Sauerländer Stauseen, aber es ist trotzdem eine Gemeinde, in der die Wasserkraft zuhause ist. Hier finden sich Anlagen vom Mühlrad bis zum Pumpspeicherwerk, wie ein Blick in die Geschichte der Wasserkraftnutzung. Nur von den Anlagen, die einmal am typischsten für das Sauerland waren und die es auch hier gab, den Hammerwerken, hat sich hier leider keines bis in unsere Tage herüberretten können. Sonst ist alles da: Eine Getreidemühle, sogar noch betriebsfähig, liefert über einen in neuerer Zeit eingebauten Generator Strom ins öffentliche Netz.
Eine Knochenmühle, und zwar eine ganz besondere, ist ein wertvolles Relikt der Montangeschichte unserer Region, denn deren Stampfwerk ist das letzte erhaltene Exemplar eines speziellen Typs einer Erzepoche. Dann haben wir noch drei Laufwasserkraftwerke an Bigge und Lenne aus den 1920er und 1930er Jahren und schließlich noch ein Pumpspeicherwerk von 1969. Auch das ist etwas Besonderes, war es doch das Erste in Deutschland, bei dem Pumpe und Turbine nicht getrennte Maschinen waren, sondern die Turbine durch Umkehrung der Drehrichtung zur Pumpe wurde.
Ein weiteres Pumpspeicherwerk wurde in jüngster Zeit geplant, um die Stromspitzen der Ökostromgewinnung den Verbrauchsspitzen anzupassen. Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen, aber es scheint doch, als sei dieses Projekt einer Kombination aus neuen Stromtrassen und in Entwicklung befindlichen modernen Energiespeichermedien zum Opfer gefallen. So ist die Wasserkraftnutzung ebenso ein Beleg für eine lange  Tradition von Gewerbe und Industrie, wie für den ständigen Wandel in dieser Region.

Finnentrop 03 Heft 2 2017

Ober- und Unterbecken des Pumpspeicherwerks Rönkhausen
Foto (Ausschnitt): Mark-E Aktiengesellschaft, Hagen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Im Lenne- und Biggetal wurden in den vergangenen Jahrzehnten Industrie- und Gewerbegebiete entwickelt, in denen sich vorrangig metall- und kunststoffverarbeitende Betriebe sowie ein bedeutender Erzeuger von Fleisch- und Wurstwaren angesiedelt haben. Der Schwerpunkt liegt mit 38,5 % aller Betriebe in der Herstellung von Metallerzeugnissen. Doch der Branchenmix, die Vielfalt der Produkte und die Flexibilität der Betriebe mindern die Konjunkturanfälligkeit. Dem wird heute durch die ständige Weiterentwicklung der Industrie- und Gewerbegebiete Rechnung getragen. Vorläufig „letzter Akt“ ist der Industriepark Wiethfeld, ein Industrie- und Gewerbeansiedlungsvorhaben an verkehrsgünstiger und hinsichtlich der Flächenreserven zukunftsträchtiger Lage im äußersten Südwesten des Gemeindegebiets und damit in optimaler Zuordnung zur A 45.
 

Für eine lebendige Gemeinde
unabdingbar sind auch Investitionen
in Bildungseinrichtungen, Sport und Kultur.


Dietmar Heß
 

Für eine lebendige Gemeinde unabdingbar sind auch Investitionen in Bildungseinrichtungen, Sport und Kultur. Daher wird die Bigge-Lenne-Gesamtschule künftig Bildungsabschlüsse bis zum Abitur ermöglichen. Das braucht natürlich auch den richtigen Rahmen und deshalb wird das Gebäude umfassend saniert und energietechnisch ertüchtigt. Die Musikschule Finnentrop, seit einigen Jahren in Kooperation mit der Musikschule Lennetal e.V. betrieben, erhielt an zentraler Stelle moderne Räume im markanten „Roten Haus“ am Bahnhof Finnentrop. Seit Anfang 2017 ist die Gemeinde Finnentrop Mitglied im Verein Musikschule Lennetal e.V. Mittlerweile über 50 Jahre gibt es in der Gemeinde ein vielfältiges Kulturangebot, inzwischen durch ehrenamtliches Engagement getragen und bereichert und ein breites Angebot von Sport- und Freizeitanlagen,einschließlich des Erlebnisbades „Finto“.
Doch auch andere Potentiale werden entwickelt. Der Ausbau der Radwege dient sowohl einer umweltverträglichen Verkehrserschließung der Gemeinde und zu den Nachbarkommunen, als auch Sport und Erholung. Besonderer Beliebtheit erfreut sich nach wie vor der Radweg auf der ehemaligen Bahnstrecke durch das Frettertal, inzwischen auch als Teilstrecke von SauerlandRadring und Ruhr-Sieg-Radweg. Bekannt geworden ist er durch den „Fledermaustunnel“ bei Fehrenbracht, der über den Winter für Radfahrer geschlossen ist, damit Fledermäuse dort ungestört überwintern können. Finnentrop mit dem „Radbahnhof im Lennetal“ hat sich inzwischen zum Radwegekreuz zwischen Sieg und Ruhr entwickelt.
Auch die traditionellere Variante zu Fuß, das Wandern – schon bisher war die Gemeinde durch ein engmaschiges, ca. 300 km umfassendes Wegenetz gut erschlossen – erhielt neue Akzente durch Teilstrecken von Sauerland Höhenflug und Ehmsenweg in der Gemeinde, die sehr gute Einbindung zu regional bzw. überregional bedeutenden touristische Routen herstelle.
Abwechslung bieten die sauerlandtypischen Ortschaften mit ihren Fachwerkhäusern, den historischen Kirchen und den noch von den adeligen Eigentümern bewohnten drei Schlössern Ahausen, Bamenohl und Lenhausen. An vielen Stellen werden die Initiative der Vereine und das starke
ehrenamtliche Engagement der Bevölkerung im Ortsbild sichtbar. Wer sich besonders aufmerksam durch die weiten Naturflächen der Gemeinde bewegt, hat auch die Chance seltene Tiere zu sehen – unter anderem Uhu, Rotmilan, Schwarzstorch und Eisvogel.

 

Finnentrop 05 Territorien Westfalen 1789

Drachenfest auf dem Flugplatz Heggen mit phantasievollen Figuren
Foto: Gemeinde Finnentrop

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Regionale 2013 brachte Schwung in die interkommunale Zusammenarbeit zwischen den acht Partnerkommunen entlang der Lenne von Schmallenberg bis Iserlohn. Sie hat der Gemeinde Finnentrop aber auch Investitionen in Projekte des Städtebaus, des ÖPNV, der Gewässerrenaturierung und des Tourismus in Höhe von insgesamt rund 4,75 Millionen Euro ermöglicht, da hierauf Zuwendungen von rund 3,55 Millionen Euro bewilligt wurden
Kommunale Partnerschaften bestehen seit 1979 mit Diksmuide (Belgien) und seit 1990 mit der Gemeinde Helbra (Sachsen-Anhalt).

Finnentrop 06 Heft 2 2017

Auf dem Radweg durch den „Fledermaustunnel“
Foto: Walter Schulte, Lennestadt

Um von künftigen Entwicklungen nicht unvorbereitet getroffen zu werden, hat die Gemeinde Finnentrop ein „Integriertes Kommunales Entwicklungskonzept“ (IKEK) erarbeitet, das Stärken und Schwächen analysiert und Strategien und Wege in die Zukunft aufzeigt, denn wie Wilhelm Busch formulierte:

 

 

 

Einszweidrei, im Sauseschritt
Läuft die Zeit; wir laufen mit.


Bei uns im Sauerland heißt das:
 

Et mat liuter widdergohn,
de Welt blitt nit stohn“.


Weitere Informationen über unsere Gemeinde erhalten Sie im Internet unter: www.finnentrop.de


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