Wappen des Kurkölnischen Sauerlandes

(H)Franziska Seibertz, 1855

(H)Winterberg

(H)Gabelkreuz in Scharfenberg

(H)Wocklum

(H)Krippe auf Schloß Melschede

(H)Arnsberg

(H)Waldskulpturenweg

(H)Hof in Kirchveischede

(H)Fluß

(H)Herbstwald

(H)Mitgliederversammlung-Schloß Amecke

Sauerland Heft 1/ 2017

Zehn Jahre nach Kyrill – „Was wird,
wenn ein Sturm wie Kyrill alles durcheinander geworfen hat?”
Josef Richter

201701

Über 3 Meter hoch war das Sturmholz entlang der Wirtschaftswege in der Wennemener Mark aufgestapelt.



 

 

 

 

 

 

 

 

 

Durch den Orkan Kyrill ist das Landschaftsbild des Sauerlandes
tiefgreifend verändert worden. Großflächig hat er Bestände zu Boden
geworfen und den Blick in die Weite, in die Schönheiten unserer Bergwelt
geöffnet. Das erhöht die Attraktivität unserer Landschaft und kommt
sicher dem Tourismus zu Gute, an dessen Förderung wir im Sauerland sehr
interessiert sind.

Dem stehen aber große Belastungen der Waldbesitzer gegenüber, die zum
Teil fast ihr ganzes erntereifes Holz verloren haben, das sie nur zu
stark reduzierten Preisen auf den überfüllten Märkten absetzen konnten,
und das ihnen in den nächsten Jahrzehnten fehlt. In der Forstwirtschaft
sind wir es gewohnt, dass Bäume, die wir gepflanzt haben erst oft nach
100 und mehr Jahren von unseren Enkeln geerntet werden können Wo in
einem Betrieb junge, mittelalte und alte Bestände in einem ausgewogenen
Verhältnis wachsen, sind Jahr für Jahr Erträge zu erwarten, allerdings
nur, wenn man mit den heranwachsenden Beständen, die schon marktgängige
Sortimente aufweisen, sorgfältig umgeht. Das ist das Prinzip der
Nachhaltigkeit. Soweit bisher nach diesem Prinzip gewirtschaftet wurde,
hat das gut funktioniert. Aber was wird, wenn ein Sturm wie Kyrill alles
durcheinander geworfen hat. Was soll mit den Flächen geschehen, die er
baumfrei gemacht hat?

Selbstheilung?

Auch dort, wo der Mensch nicht in die Entwicklung eingreift, werden auf
vielen Flächen die dort wachsenden Baumgenerationen getötet. Aber der
Wald gewinnt die verlorenen Flächen zurück. Allerdings dauert das für
einen Walbauern, der vom Holz leben will, viel zu lange. Trotzdem ist es
sinnvoll, genau zu beobachten, welche Selbstheilungskräfte auf unseren
Kyrillflächen zu wirken beginnen. Da fällt zunächst auf, dass sich auf
vielen Flächen ein dichter „Vorwald“ aus Birke, Aspe und Vogelbeere
angesamt hat. Früher hat man diese Arten als Konkurrenten der
Hauptbaumart mit oft großem Aufwand beseitigt. Inzwischen stellt sich
immer mehr heraus, dass die Baumarten des angestrebten Endbestandes in
der Frühphase ihrer Entwicklung durch diese Vorwaldarten nicht zu sehr
behindert, dagegen oft sogar gefördert werden. Da die genannten Arten
sehr schnell wachsen, können sie schon in 20 Jahren verwertbare
Dimensionen erreichen und genutzt werden. Dabei kann man einen Teil von
ihnen in den Hauptbestand einwachsen lassen,

Niederwald?

Zur Überbrückung der Zeit, wo keine erntereife Bestände zur Verfügung
stehen, kann auch eine Generation „Niederwald“ eingeschaltet werden. Bei
dieser historisch interessanten Bewirtschaftungsform können die
Vorwaldarten nach 15 bis 25 Jahren geerntet werden, und es bleibt ihrem
Vermögen überlassen, aus den Wurzelstöcken neu auszuschlagen. Bei der
zunehmenden Nachfrage nach Energieholz wird bei diesem Verfahren auch
eine wenn auch bescheidene Vermarktung des anfallenden Holzes möglich
sein. Ein Nebeneffekt für den Naturschutz könnte dabei sein, dass dort,
wo noch Reste des früheren Haselhuhnbestandes vorhanden sind, diese sich
in dem neuen Niederwald erholen können. Aber allzu große Hoffnungen
sollten wir uns da wohl nicht machen.

Weihnachtsbaumkulturen

Eine naheliegende Möglichkeit, die entstandene Lücke in der
Holzversorgung wenigstens teilweise zu überbrücken, die auch schon
weitgehend wahrgenommen wird, ist die Anlage von Weihnachtsbaumkulturen.
Sie ist natürlich auch nicht risikofrei, da Spätfröste in den Kulturen
erhebliche Schäden anrichten können. Wo sie zur Beseitigung der
konkurrierenden Kräuter und Gräser mit chemischen Pflanzenschutzmitteln
behandelt werden, ist ihre Anzucht auch mit erheblichen Schädigungen des
Bodens verbunden,

Baumartenwechsel

Seit Jahrzehnten gibt es zwischen der Forstwirtschaft und dem
Naturschutz eine lebhafte Diskussion über heimische und fremdländische
Baumarten. Die einheimischen haben den Vorteil, dass sie über viele
Generationen Zeit hatten, sich unseren Verhältnissen anzupassen. Deshalb
neigt man oft dazu, sie vor der Konkurrenz von nichtheimischen
„aggressiven Fremdländern“ zu schützen. Aber auf ihre Angepasstheit
können wir uns nicht immer verlassen. Ein Beispiel ist das
„Eschentriebsterben“. Vor 20 Jahren hätten wir noch geglaubt, dass die
Esche eine langbewährte Baumart ist, die auf für sie geeigneten
Standorten gute und sichere Erträge bringt. Heute müssen wir hoffen,
dass unsere Forstgenetiker Eschen finden, die eine größere
Widerstandskraft gegen den Pilz haben, die zur Nachzucht resistenterer
Populationen dienen konnen.

 

201702

Blick ins untere Wennetal. Auch hier sind im linken Bereich die Verwüstungen durch Kyrill deutlich zu erkennen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die natürliche Waldentwicklung ist ein dynamischer Prozess. Selbst
Bäumen die sich den jeweils bestehenden Verhältnissen bestens angepasst
haben, hilft es wenig, wenn sich die Umweltverhältnisse ändern. Dann
werden die alten Arten durch neue, besser angepasste verdrängt. In
diesem Prozess sind die Bäume am ärmsten dran. Vögel und Säugetiere
können ihre unbewohnbar werdenden Plätze verlassen und besser zu ihnen
passende aufsuchen. Die Bäume können das nicht. Sie stehen da und können
nicht anders. Müssen warten, bis sie mit Hilfe ihrer Samen ein wenig
weiter kommen. Aber darauf müssen sie jedesmal eine ganze Generation
lang warten. In dieser Situation ist es sicher vernünftig, wenn wir
Menschen ihnen helfen. Das geht aber nicht, ohne dass fremde Baumarten
eingeführt werden. Dafür gibt es auch schon erfolgversprechende Ansätze.

Ersatz für die Fichte

Da die flachwurzelnde Fichte die am meisten gefährdete Baumart ist,
werden wir uns vor allem für sie nach Ersatzbaumarten suchen müssen.
Eine Art, die wir für das Sauerland erst gar nicht weit herholen müssen,
ist die Weißtanne. Sie wächst schon lange in den süddeutschen
Mittelgebirgen, wo sie etwa den gleichen Zuwachs leistet wie die Fichte.
Durch ihr tiefergehendes Wurzelwerk ist sie aber sturmfester als diese.
Im Sauerland scheint es ihr bisher nicht warm genug. Das wird sich bei
der zu erwartenden Klimaänderung aber ändern. Von den wirklich
fremdländischen Baumarten ist an erster Stelle die Douglasie zu nennen.
Nach unseren bisherigen Erfahrungen ist die sturmfester und
dürreresistenter als die Fichte und lässt auch höhere Erträge erwarten.
Einen noch höheren Zuwachs leistet die Große Küstentanne und stammt wie
die Douglasie aus dem westlichen Nordamerika. Dass ihr Holz geringer
bewertet wird, wird durch ihre höhere Massenleistung wenigstens zum
großen Teil ausgeglichen. Von den sonstigen möglichen Ersatzbaumarten
für die Fichte seien hier nur zwei genannt: die Abies procera (früher
nobilis) aus dem westlichen Nordamerika und die aus dem Kaukasus
stammende Nordmannstanne. Beide werden bei uns bisher fast nur als
Weihnachtsbäume genutzt, wachsen aber in ihrem natürlichen
Verbreitungsgebiet zu stattlichen Bäumen heran. Sie können ohne
Neuanpflanzungen aus Weihnachtsbaumkulturen gewonnen werden, wenn man
eine genügende Anzahl von Bäumen durchwachsen lässt.

Ersatz für die Buche?

Die Buche hat gerade in Deutschland den Kern ihres natürlichen
Verbreitungsgebietes. Sie wird deshalb mit Recht als mitteleuropäisches
Erbe bezeichnet, für dessen Erhaltung wir verantwortlich sind. Sie ist
eine Baumart des gemäßigten Klimas, das weder zu heiß noch zu kalt ist
und keine Witterungsextreme erwarten lässt. Wie weit sich diese
Bedingungen zu ihrem Schaden ändern werden, ist schwer abzuschätzen. Als
winterkahle Baumart ist sie zwar, von wenigen Ausnahmen abgesehen, von
Winterstürmen kaum beeinträchtigt. Aber bei Gewitterstürmen im Sommer,
wenn sie voll belaubt ist, sieht das anders aus. Auch die an
verschiedenen Orten auftretende „Buchenkomplexkrankheit“ kann daraufhin
deuten, dass die Angepasstheit an ihre Umweltbedingungen zurückgeht. Da
wir aber schon aus Gründen der Landschaftsgestaltung an der Erhaltung
eines genügend großen Anteil von Laubwald interessiert sein, bieten sich
hier als vorbeugender Ersatz Ahorn- und Lindenarten an.

Weiterbehandlung der vorhandenen Fichtenbestände

201703

Mit Hilfe schwerem Geräts werden die Sturmschäden unterhalb des Freienohler Küppels aufgearbeitet.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Neben den Problemen der Walderneuerung stellt sich nach Kyrill natürlich
auch die Frage, was mit den verschont gebliebenen und durch künftige
Stürme bedrohten Fichtenbeständen geschehen soll. Wie kann man sie so
weiter bewirtschaften, dass die Gefahr weiterer Sturmschäden gemindert
wird? Erfahrungen aus früheren Sturmschäden haben gezeigt, dass die
Bäume besonders sturmgefährdet sind, wenn sie zu hoch werden. Mit jedem
zusätzlichen Höhenmeter nimmt die Hebelkraft des Sturmes zu. Eine
kritische Grenze ist bei etwa 25 m zu veranschlagen. Die wird auf
unseren meisten Standorten etwa im Alter 80 überschritten. Es empfiehlt
sich daher, die Umtriebszeit auf 70 bis 80 zu senken. Nach starken
Durchforstungen in der Jugendphase sollten die Bestände in der zweiten
Umtriebshälfte in Ruhe gelassen werden. damit sie ein stabiles
Stützgefüge entwickeln können. Bei früheren Untersuchungen hat sich
gezeigt, dass geschlossene Bestände stabiler sind als aufgelichtete.

Naturnahe Waldwirtschaft

Wo der Sturm nicht ganze Bestände geworfen, sondern kleinere Lücken
gerissen hat, sind gute Ausgangsbedingungen für eine „Naturnahe
Waldwirtschaft“ entstanden. Die lehnt großflächige Kahlschläge ab und
arbeitet nach Möglichkeit mit stamm- bis horstweiser Nutzung. In den
dabei entstehenden Lücken kann sich die herrschende Hauptbaumart
verjüngen. Sie können aber auch für die Erprobung neuer Arten genutzt
werden. Wo man erfolgversprechende Alternativarten noch nicht auf großen
Flüchen einführen, sondern erst einmal auf kleineren erproben will, hat
man hier die passenden Gelegenheiten dafür. Die so entstehenden
Mischbestände haben darüber hinaus den Vorteil, dass sie die ungleichen
Bedingungen des Standorts besser nutzen können, z. Bsp. durch ihre
unterschiedliche Wurzelintensität.

Landschaftsgestaltung

Die durch Kyrill geschaffenen Ausblicke legen den Gedanken nahe, dafür
in Zukunft auf kleinen Flächen durch den Verzicht auf die Aufforstung
schöne Aussichtspunkte freizuhalten. Das kann natürlich nicht über die
Köpfe der jeweiligen Waldbesitzer angeordnet werden, muß vielmehr
zwischen Waldbesitz und Tourismus ausgehandelt werden.
 


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