Wappen des Kurkölnischen Sauerlandes

(H)Franziska Seibertz, 1855

(H)Winterberg

(H)Gabelkreuz in Scharfenberg

(H)Wocklum

(H)Krippe auf Schloß Melschede

(H)Arnsberg

(H)Waldskulpturenweg

(H)Hof in Kirchveischede

(H)Fluß

(H)Herbstwald

(H)Mitgliederversammlung-Schloß Amecke

„Auf dem Rathaus wehte die Trikolore“
Französische Revolutionstruppen besetzen die Freiheit Affeln im Jahre 1798
von Dr. Rolf-Dieter Kohl

Der Versuch der alten Feudalmächte Europas, den Expansionsgelüsten des revolutionären Frankreich in den sog. Koalitionskriegen (1792 – 1806) Einhalt zu gebieten, wirkte sich auch auf das dem Erzbischof und Kurfürsten von Köln unterstehende, weite Teile des Sauerlandes umfassende Herzogtum Westfalen aus. Seit 1793 wurden die seit altersher in Arnsberg tagenden Landstände des Herzogtums aufgefordert, sich an der Deckung der anfallenden Kriegskosten zu beteiligen und entsprechende finanzielle Mittel bereitzustellen. Gleichzeitig erfolgten im ganzen Land Zwangsrekrutierungen, die in der Bevölkerung für erhebliche Unruhen sorgten. Allerdings nahm der Krieg für die deutsche Reichsarmee schon wenig später einen so unglücklichen Verlauf, dass das linksrheinisch gelegene Erzstift mit der Haupt- und Residenzstadt Bonn aufgegeben werden musste und die kölnischen Behörden gezwungen waren, in die westfälischen Gebiete des Kurstaates, namentlich nach Brilon und Arnsberg auszuweichen. Kurfürst Max Franz selbst nahm seinen Aufenthalt in den kommenden Jahren zumeist in Mergentheim, dem Sitz des Hochmeisters des Deutschen Ritterordens; von hier aus führte er die Regierung seiner rechtsrheinischen Länder, zu denen – neben dem HerzogtumWestfalen – auch das Vest Recklinghausen und das Fürstbistum Münster gehörten, weiter.

Trikolore-1

Plan der Freiheit Affeln vor dem Brand 1814
Umzeichnung von Reinhard Köhne, Meschede

Freilich war – zwei Jahre später – auch das kurkölnische Sauerland vor dem Zugriff der Franzosen nicht mehr sicher. Am 5. April 1795 schloss Preußen – unter Aufgabe seiner linksrheinischen Besitzungen – mit Frankreich den Sonderfrieden von Basel und schied damit aus der 1. Koalition aus; im Gegenzug sicherte Frankreich großen Teilen des rechtsrheinischen Deutschland Neutralität zu. In einem am 5. August 1796 zwischen beiden Mächten vereinbarten Abkommen wurde die Ruhr als südliche Demarkations- und Waffenstillstandslinie festgelegt, über die die französischen Truppen in das nördliche Deutschland nicht vordringen sollten. Während das Gebiet der zu Preußen gehörenden Grafschaft Mark von den Folgen dieser Übereinkunft verschont blieb und keinerlei Beeinträchtigung erfuhr, ließ es sich nicht verhindern, dass die Demarkationslinie das Herzogtum Westfalen – ungeachtet des Protestes seiner Bewohner – mitten durchschnitt und somit fast die Hälfte des Landes den französischen Invasoren in die Hände fiel. Die Sicherung der Grenze übernahm preußisches Militär, das in Arnsberg und Neheim stationiert war.

Bereits im Frühsommer des Jahres 1797 rückten die Franzosen in nahezu alle Städte und Kirchspiele des kurkölnischen Sauerlandes südlich der Demarkationslinie ein und schon bald zeichnete sich ab, dass man sich auf eine längerfristige Besetzung einzustellen hatte. Natürlich blieb auch das im äußersten Westen des Herzogtums, unweit der märkischen Grenze gelegene Amt Balve nicht verschont; insbesondere die Stadt Balve, die noch immer unter den Folgen einer verheerenden, acht Jahre zurückliegenden Brandkatastrophe litt, trug schwer an der Last der Einquartierungen und geriet zunehmend an den Rand des finanziellen Ruins. Die ständig wachsenden Forderungen der Besatzer konnten die Balver Bürger nur mit Mühe erfüllen. Neben Brot, Fleisch, Tran, Tabak, Puder, Pomade, Wein und Bier mussten auch Kleidungsstücke wie Schuhe, Stiefel und Reithosen zur Verfügung gestellt werden.

Trikolore-2

Pierre Riel de Beurnonville ( 1752 - 1821), französischer Revolutionsgeneral. Oberbefehlshaber der Sambre- und Maasarmee. Unter ihm wurden 1797/1798 die Kirchspiele Balve und Affeln besetzt. Kupferstich der Zeit

Nicht minder hart betroffen scheint auch die benachbarte, ebenfalls zum Amt Balve gehörende Freiheit Affeln gewesen zu sein. Aus einem bislang unbeachtet gebliebenen Aktenschriftstück von der Hand des Affelner Ratssekretärs Johannes Degenhard geht hervor, dass der zu diesem Zeitpunkt von ca. 250 Personen bewohnte Ort vom 28. August bis 6. November 1798 von weit über 1000 französischen Dragonern und Husaren besetzt war, die unter dem Oberbefehl des Revolutionsgenerals Pierre Riel Marquis de Beurnonville (1752 – 1821) standen. Die Aufstellung enthält die Namen von 42 Quartiergebern – darunter auch der damalige Pfarrer Johann Joseph Plassmann sowie der amtierende Bürgermeister Franz Stephan Lohe –, des weiteren die Anzahl der beherbergten Soldaten, die für Verpflegung und Logie aufgewandten Gelder und – in einigen Fällen – auch die genaue Verweildauer der ungebetenen Gäste. Insgesamt beliefen sich die Unkosten der Affelner auf die namhafte Summe von ca. 600 Reichstalern. Besonders betroffen waren die Höfe Midderhoff mit 59 Talern und 30 Stübern, Weggenbecker mit 23 Reichstalern und 20 Stübern sowie Dubenheuer mit 18 Reichstalern; Bürgermeister Lohe und Pastor Plassmann, bei denen sich das Offizierskorps der Truppe einquartiert hatte, bezifferten ihre Ausgaben auf jeweils 59 Reichstaler und 30 Stüber. Auch die Freiheit Affeln selbst blieb nicht ungeschoren! Für Versorgung und Unterbringung von 370 Husaren allein im Oktober und November 1798 musste die Kommune mit 180 Reichstalern tief in den Stadtsäckel greifen.

Es liegt auf der Hand, dass unter solchen Umständen die Beziehungen zwischen den Bewohnern Affelns und der fremden Soldateska auf das Äußerste gespannt waren. Die Verständigung auf beiden Seiten war schwierig; man ärgerte sich über die auf dem Rathaus wehende „Trikolore“, Pöbeleien und Gerangel waren an der Tagesordnung und nicht selten endete ein Wirtshausstreit damit, dass sich die Kontrahenten gegenseitig die Köpfe blutig schlugen. Ein äußerst ernsthafter Zwischenfall ereignete sich im Hochsommer des Jahres 1798. Als ein Husar mit seinem Pferd zum wiederholten Mal mutwillig die erntereifen Getreidefelder verwüstete, traf ihn aus dem Hinterhalt ein gezielter Schuss, an dem er kurze Zeit später verstarb. Bedauerlicherweise fehlen weitere Nachrichten! Allerdings dürfte die Geschichte – wie wir aus anderen Gegenden des französisch besetzten Herzogtums Westfalen wissen – nicht ohne Kon sequenzen geblieben sein. Ende 1798 wurden die Truppen plötzlich abberufen und verließen Affeln! Wenige Jahre später folgten die Soldaten dem aufgehenden Stern Kaiser Napoleons I., der sie von Sieg zu Sieg führte, bis auch ihn in den Schlachten von Leipzig und Waterloo das Schicksal ereilte.

Benutzte Archive und Literatur: Stadtarchiv Neuenrade, Archivaliensammlung Affeln. Josef Pütter, Sauerländisches Grenzland im Wandel der Zeit. Beiträge zur Geschichte der Kreise Arnsberg, Iserlohn und Altena, unter besonderer Berücksichtigung der Gerichts- und Verwaltungsverhältnisse im Amtsbezirk Balve und seiner Nachbargebiete, Balve 1965. Elisabeth Schumacher, Das kölnische Westfalen im Zeitalter der Aufklärung unter besonderer Berücksichtigung der Reformen des letzten Kurfürsten von Köln, Max Franz von Österreich (Landeskundliche Schriftenreihe für das kölnische Sauerland, 2), Olpe 1967. Rolf Dieter Kohl, Die Besetzung der kurkölnischen Freiheit Affeln durch französische Revolutionstruppen im Jahre 1798, in: Der Märker, 46. Jg., 1997, S. 127 – 130 (Hier: Eine Namensliste aller betroffener Quartiergeber und der ihnen entstandenen Kosten).


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