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Der Siedlinghauser Kreis von Franz Mickus
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Dr. Franz Schranz, Arzt in Siedlinghausen 1921 bis 1961
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Als ich 1969 aus beruflichen Gründen mit meiner Familie nach Siedlinghausen kam, erzählten immer mal wieder Bekannte oder Nachbarn aus dem Dorf nicht ohne Stolz davon, dass sich in den dreißiger Jahren namhafte Persönlichkeiten in Siedlinghausen getroffen hätten. Auf meine Frage, wer das denn gewesen sei und zu welchem Zweck sie sich getroffen hätten, gab es keine klare oder eindeutige Auskunft. Konkret wurden aus Siedlinghausen die Namen des Bildhauers und Malers Eugen Senge- Platten und der seiner attraktiven Frau Alix genannt, Dr. Schranz wurde erwähnt, der damals hier am Ort tätige praktische Arzt und dazu einige Namen aus Wissenschaft und Kunst, die man mit Berlin oder München, mit Köln oder Münster verband. Darunter Personen, die durch ihre wissenschaftlichen Publikationen oder durch ihre künstlerischen Aktivitäten in den damaligen Medien präsent waren. Und die sollen in Siedlinghausen gewesen sein, fragte ich doch leicht erstaunt und eher ungläubig? Ja, zu Konzerten und Gesprächen habe man sich im Hause Senge-Platten getroffen, vielleicht sei es ein politischer Zirkel gewesen, „Sie wissen ja, die damalige Zeit!“ – Rufzeichen, Fragezeichen. Genaueres wisse man nicht, denn außer einigen Auserwählten aus dem Dorf sei ja niemand dabei gewesen. Soviel Unklarheit und Geheimnistuerei ließ eine Menge Raum für Phantasie und reizte natürlich, der Sache auf den Grund zu gehen. Dr. Schranz war zu der Zeit allerdings schon knapp 10 Jahre tot und das Ehepaar Senge war alt und gebrechlich. Ich hatte mit ihnen zwar noch kurz Kontakt, scheute mich aber doch – eben wegen der unklaren Andeutungen aus der Bevölkerung – sie direkt nach den Begebenheiten dieser Zeit zu fragen.
Im Jahr 1990 schließlich organisierte das Schiefer- und Bergbaumuseum Schmallenberg-Holthausen eine Sonderausstellung zum 100. Geburtstag des Bildhauers und Malers Eugen Senge-Platten. Zu dieser Ausstellung erschien ein umfangreicher Katalog, bearbeitet und verfasst von Dr. Egon Pfeifer. Und da – wie er schreibt – „die kunstgeschichtliche Betrachtung der Werke eines Künstlers nie nur vom Objekt ausgeht, sondern stets bestrebt ist, auch sein persönliches Umfeld, seine Ideen und Überlegungen sowie seine Empfindungen soweit als möglich in die Beurteilungen und Besprechungen einzubeziehen, war es wichtig, Informationen über den Künstler von Zeitzeugen zu erhalten.“
Von diesen Zeitzeugen finden wir in dem genannten Katalog einen Beitrag von Dr. Veronika Runte-Schranz, der Tochter des Dr. Schranz, mit dem Titel „Dr. Schranz und der Siedlinghauser Kreis“ und einen weiteren von Friedrich Georg Jünger mit dem Titel „Erinnerungen an einen Landarzt“. Außerdem schreibt Josef Pieper in seinen autobiografischen Aufzeichnungen mit dem Titel „Noch wusste es niemand“ wiederholt von seinen Besuchen bei Dr. Schranz in Siedlinghausen. In diesen genannten Schriften gibt es erfreulicherweise nicht nur reichhaltige Information sondern auch ausgesprochen fesselnde und nahezu sensationelle Mitteilungen. Und es fügt sich schließlich ein Bild zusammen, das in keiner Weise einen geheimnisvollen oder gar konspirativen Charakter gehabt hätte. Mittelpunkt dieses Kreises war der Arzt Dr. Schranz, ein Schwabe aus Bad Wurzach im Allgäu. Sein Onkel – der Bruder seiner Mutter war Arzt in Hallenberg – vermittelte ihm die Landarztstelle in Siedlinghausen. Dr. Schranz muss eine beeindruckende Persönlichkeit gewesen sein sowohl als Arzt wie auch als Freund und Förderer von Kunst und Wissenschaft wie auch als allgemeiner Menschenfreund. Ohne ihn hätte es den Siedlinghauser Kreis nicht gegeben und so ist es sinnvoll, eingehend über Dr. Schranz zu berichten.
Fragt man die älteren Leute in Siedlinghausen nach ihm, so heißt es übereinstimmend: „Er war ein beliebter und ein guter Arzt“, wobei zum einen seine Freundlichkeit und zum anderen seine Kompetenz betont werden soll. Frau Veronika Runte- Schranz informiert uns im Tagebuchstil über den Alltag im Hause Schranz und dabei insbesondere über Freunde des Hauses, die sich in immer größerer Zahl hier einfanden. Sie schreibt:
„Im Juni 1921 begann mein Vater seine ärztliche Tätigkeit in Siedlinghausen. Als Hilfe für den Haushalt kam gleich zu Beginn aus dem gegenüberliegenden Haus „Hüttemanns“ Berta Steinrücke, die vierzig Jahre treu das Haus versorgte. Ende 1923 konnten meine Eltern in das neugebaute Arzthaus einziehen, in dem neben der Praxis schon bald auch ein Apothekenraum eingerichtet wurde. So arbeitete er bis in die dreißiger Jahre nach der Sprechstunde dort, um die nötigen Rezepturen fertig zu machen, die am Nachmittag von den Patienten abgeholt wurden. Anschließend begann er seine Besuchsfahrt zu den einzelnen Dörfern. Anfangs musste er diese im Sommer wie im Winter mit dem Motorrad machen, bis das Geld zu einem Auto reichte, einem Opel, genannt „Laubfrosch“.
Nach dem frühen Tod meiner Mutter im Jahre 1929 entwickelte sich all- nachdem schon eine Freundschaft mit Herrn und Frau Senge bestand. Jeden Sonntag nach der Mittagsruhe erschien auch Pfarrer Vinbruck mit seinem Hund bei uns, um den Vater zum Spaziergang abzuholen. Anschließend gingen sie in das Pastorat zum Abendessen, zu dem oft weitere Gäste mit eingeladen waren. Es war immer später Abend, wenn mein Vater wieder nach Hause entlassen wurde.
Im Frühjahr 1931 besuchte Professor Paul Simon aus Tübingen, ein Verwandter von Eugen Senge, meinen Vater. Er kannte den Staatsrechtler Professor Carl Schmitt gut und veranlasste ihn, mit nach Siedlinghausen zu meinem Vater zu fahren. Das war für diesen eine wichtige Begegnung, da Carl Schmitt von München her Konrad Weiß, den Dichter, kannte und schätzte. Auf Carl Schmitts Rat hin schickte mein Vater, den die Gedichte und Schriften von Konrad Weiß faszinierten, eine Einladung nach München, der Weiß dann später Folge leistete.
Im Februar 1933 fuhr mein Vater mit Eugen Senge zu Carl Schmitt nach Berlin. Hier lernte er weitere interessante Menschen kennen, u.a. den Verleger Friedrich Vorwerk von der Hanseatischen Verlagsanstalt und über ihn Arnold Hillen-Ziegfeld, Inhaber des Edwin Runge Verlages, bei dem später der Druck des „Christlichen Epimetheus“ von Konrad Weiß mit finanzieller Hilfe meines Vaters ermöglicht wurde. Ferner traf er hier die Brüder Ernst und Friedrich Georg Jünger und Dr. Veit Rosskopf, mit dem ihn von da an die Freundschaft und Verehrung für Konrad Weiß verband. Dr. Rosskopf war am Rundfunk tätig, stellte das am Sonntag morgens gesendete „Schatzkästlein“ zusammen, Gedichte und Musik, und brachte einige Werke von Weiß im Münchner Rundfunk zu Gehör, teilweise mit Musik von Werner Egk. Im Frühsommer 1933 kam Herr Weiß erstmalig zu Besuch nach Siedlinghausen, eine besondere Freude für meinen Vater. Da beide Schwaben waren, fanden sie sofort Gefallen aneinander. So wurde schon für das nächste Jahr die erste sogenannte „Männerfahrt“ vereinbart mit Herrn Senge und Konrad Niermann, einem Freund Senges, der Leiter des Borkener Finanzamtes war. Herr Weiß verfasste bei den Reisen in verschiedene Landschaften und Kulturräume Reisebeschreibungen, die teilweise in der „Münchner Neuesten“ erschienen, später aber zu den beiden Bänden „Deutschlands Morgenspiegel“ zusammengefasst wurden. Im Anschluss an diese Männerfahrten pflegte das Ehepaar Weiß noch einige Tage zu Besuch im Haus zu bleiben. Wie andere Gäste fuhr auch Herr Weiß häufig mit über Land zu den Patienten. Später, als Frau Weiß durch Bombeneinwirkung ihre Wohnung in München verlor, nahm mein Vater sie bis zu ihrem Tod bei sich auf. Sie war inzwischen verwitwet.
Etwa um die gleiche Zeit, im Juni 1933, kam das Ehepaar Albert und Paula Mirgeler aus Leversbach. Herr Mirgeler war Historiker, sie eine für Musik und Malerei künstlerisch begabte Frau. Zu beiden entstand eine lebenslange freundschaftliche Verbindung. Herr Mirgeler hielt etliche Jahre später zur Ausstellung von Herrn Senge in Arnsberg den Einführungsvortrag mit großer Kenntnis der Arbeiten von Senge. Eine Bekannte von Mirgelers war die reizende Italienerin Piera Massari, die im Sommer 1934 zu uns kam, um Deutsch zu lernen. Über viele Jahre war sie ein besonders liebenswürdiger Gast.
Endlich, im Dezember 1935, war es Professor Josef Pieper aus Münster möglich, nach Siedlinghausen zu fahren. Er wohnte, da das Haus besetzt war, bei Senges, war aber Gast des Vaters.“
Was Frau Runte-Schranz hier so nüchtern und selbstverständlich beschreibt, ist wohl eher ein ungewöhnlicher Vorgang. Was bewog Josef Pieper, den Philosophieprofessor aus Münster, der über die Aktualisierung der griechischen Philosophie und über katholische Tugendlehre schrieb, zu seinen wiederholten Besuchen in Siedlinghausen? Er schreibt in seinen autobiografischen Aufzeichnungen:
„Als eines Tages ein Unbekannter, der Arzt Dr. Schranz, bei uns erschien, um uns für ein paar Tage in sein sauerländisches Dorf einzuladen, musste ich bekennen, das Geld für die Fahrkarte sei einfach nicht da. Ein wenig später allerdings bin ich dann doch nach Siedlinghausen gefahren. Und aus dieser ersten Begegnung ist eine der bereicherndsten Freundschaften meines Lebens entstanden. Der Anfang übrigens hatte mit meinem Traktat über die Tapferkeit zu tun. Ernst Jünger hatte dem Doktor davon gesprochen oder geschrieben. Und dieser impulsive Schwabe, in dessen gastfreiem Haus ich später mehr bedeutende Menschen kennen gelernt habe als irgendwo sonst, war einfach neugierig auf den Autor. Eine Zeit ohne Gäste gab es, glaube ich, in diesem Haus überhaupt nicht. Der Doktor, der seine Frau früh verloren hatte, liebte es, Freunde bei sich zu sehen. Den Vormittag blieb man sich selbst überlassen. Man stöberte in der riesigen Bibliothek, aus der sich drei bis vier verschiedene Spezialisten der Geistesgeschichte, der Volkskunde, der Germanistik leicht eine respektable Fachbücherei hätten zusammenstellen können. Ziemlich spät beginnen die unvergesslichen Abende mit exzellenten Weinen, mit Vorlesen, Musik und Streitgespräch. Dazu finden sich auch manchmal die Nachbarn ein, der schweigsame Bildhauer Eugen Senge- Platten und seine schöne, in Petersburg geborene Frau, eine etwas kapriziöse Geigerin. Im geräumigen Bildhaueratelier gibt es zu sommerlicher Zeit gelegentlich intime Konzerte, bei denen sich außer der Dame des Hauses immerhin Musiker wie Gustav Scheck mit seiner Flöte oder der Cembalist Fritz Neumeyer produzieren...“
Was für ein illustrer Kreis also in einem kleinen Dorf weitab der großen Welt. Der eine erzählte dem anderen und empfahl einen Besuch bei dem außergewöhnlichen Doktor im Sauerland. Der Siedlinghauser Kreis war also nichts anderes als ein lockeres Gebilde von Geistesverwandten, die sich zum Zwecke wissenschaftlicher und künstlerischer Konversation ohne feste Regeln oder Terminabsprachen in angenehmer Umgebung trafen. Im Mittelpunkt stand ein an allem hoch interessierter und im besten Sinne des Wortes neugieriger Mensch. „Hat Dr. Schranz Sie auch an seinen Hof gezogen?“ fragt Josef Pieper andere Gäste des Hauses, die wie er weiter sagt „ ... in Siedlinghausen leichter und in größerer Zahl anzutreffen sind als in Berlin.“
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Dr. Schranz war ein geachteter und beliebter Arzt, hier mit seinem Enkelkind auf dem Arm und dem Ehepaar Pieper. Josef Pieper war Philosophieprofessor in Münster und gehörte mit vielen anderen dem von Dr. Schranz gegründeten „Siedlinghauser Kreis“ an.
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Sehr eindrucksvoll schreibt Friedrich Georg Jünger in seinen „Erinnerungen an einen Landarzt“:
„Dass Kranke von weither zu ihm kamen, nahm ich selbst wahr. Dass er ein guter, sicherer Diagnostiker war, der auch seltene und schwierige Dinge erkannte und richtig einordnete, erfuhr ich von anderen Ärzten, die seinen Rat erbaten. Seine manuelle Geschicklichkeit war groß. Auch suchte er das durch Arbeit und Erfahrung erworbene Wissen stets zu erweitern, las viel in alten und neuen medizinischen Schriften und besuchte die Kongresse der Internisten. Sein Handwerkszeug, seine medizinische Apparatur überschritten bei weitem die übliche Ausrüstung eines Landarztes.
Brauche ich noch zu sagen, dass er ein musischer Arzt war und dass von daher alles ins Licht gerückt wurde? Er war mäßig und zugleich genussfähig. Er hatte Freude am Menschen, und sie erhielt sich ihm. Die Gäste und Freunde gingen ein und aus. Im Winter, inmitten von Nebel, Schnee und Frost, lag sein Haus wie eine Laterna magica in der unwirtlichen Landschaft, warm, nach Äpfeln duftend und wohlversehen mit Wein. Seine Bibliothek zog sich im Laufe der Jahre über die Wände des Hauses hin. In ihr standen neben den medizinischen Zeitschriften, Handbüchern und Monographien die anderen Naturwissenschaften, Theologie, Philosophie und Literatur. Die Auswahl zeigte einen Leser von zugleich bestimmter und weiträumiger Neigung. Manche seltene Schrift, nach der ich lange gesucht hatte, fand ich bei ihm.
Ich gedenke der Freunde, die im Dorf lebten, des Bildhauers Eugen Senge und seiner Frau Alix. Fast täglich gingen wir in das alte sauerländische Bauernhaus der Senges, und ebenso oft kamen sie in das Arzthaus. Die Bildhauerwerkstatt lag neben dem Fachwerkbau, an einem Bach, an dem ich oft stand und der Wasseramsel zusah. In der Werkstatt standen die Arbeiten aus Holz, Stein und Schiefer, und ich ließ mir die Technik der Bearbeitung des Schiefers erklären. Wenn ich den Typus des ersten, denkenden, schweigsamen Sauerländers darstellen sollte, würde ich Eugen Senge dazu nehmen. In seinen Arbeiten fand ich die Landschaft wieder, in der er lebte; er war in keiner anderen zu denken. Alix Senge war ohne ihre Geige nicht zu denken. Ein Cembalo und ein kleines Hammerklavier waren da; noch klingt mir sein silberner Ton in den Ohren. Das Dorf wurde durch sie mit Musik erfüllt. Virtuosen kamen, Quartette spielten, Musikfeste wurden gefeiert; eine Fülle von Tönen erklang manchmal wochenlang im Ort.“
Ab 1939 jedoch wurde es ruhiger im Hause Schranz. Eugen Senge war gleich zu Beginn des Krieges eingezogen worden. Auch Dr. Schranz sollte Dienst tun in einem Lazarett in Arnsberg. In den ersten Kriegsjahren wurde er dort noch nicht gebraucht und dann gelang es ihm, sich als unabkömmlich zurückstellen zu lassen.
Doch schon bald nach 1945 begann wieder das vertraute Leben im Siedlinghauser Kreis. Frau Runte-Schranz schreibt in ihrem nüchternen Stil:
„Im Juli 1947 überraschte Leo Eysold, Dirigent des Rundfunkorchesters in Köln, erneut mit seinem Besuch. Dieses Mal kam er mit seinem 20-köpfigen Orchester nach Siedlinghausen, was für das Dorf ein großes Ereignis war.
Im August des nächsten Jahres, 1948, kam Dr. Friedhelm Kemp, Lektor des Kösel Verlages, erstmalig nach Siedlinghausen. Zur gleichen Zeit war Professor Neumeyer zu Gast, so dass wieder eifrig musiziert wurde. Im Januar 1949 zog Herr Josef Rikus zu Senges, um sich im Atelier von Herrn Senge umzusehen. (Josef Rikus aus Paderborn oblag übrigens beim Kirchneubau unserer Pfarrkirche in den 80er Jahren die künstlerische Gestaltung des Altarraums.) 1951 waren der Fabrikant Kirchhoff aus Werdohl zusammen mit Professor Carl Schmitt einige Male bei uns zu Gast. In bestimmten Abständen schaute der inzwischen zum Bischof von Essen ernannte Kardinal Dr. Hengsbach herein, der schon lange mit meinem Vater durch die in Elkeringhausen veranstalteten Seminare bekannt war.“
Man könnte noch eine Zeit lang weiter zitieren und weitere Namen nennen von Menschen, die bis etwa zum Jahr 1960 im Hause Schranz zu Gast waren. 1961 endet aber das Leben dieses beeindruckenden Mannes. Und damit stirbt auch der geistige Mittelpunkt des Siedlinghauser Kreises. Es lebt aber weiter die Erinnerung an Dr. Schranz und an seine vielen namhaften Gäste, die in schwieriger Zeit in einem kleinen Sauerlanddorf eine in vielerlei Hinsicht wohltuende Zufluchtstätte fanden.
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Zum 50. Mal jährt sich 2011 der Todestag von Dr. Franz Schranz, der von 1921 bis 1961 in Siedlinghausen praktizierte. Er war Initiator, Mäzen und treibende Kraft des „Siedlinghauser Kreises“. Aus diesem Anlass wird am 17. September 2011 eine Gedenkstätte eingeweiht. Gleichzeitig erscheint eine umfangreiche Publikation, die sich nicht nur auf Namen, Daten und Fakten beschränkt, sondern die auch der Frage nachzugehen versucht, was die „Illustren Gäste des Doktors aus dem Sauerland“ gemeinsam hatten und welche Interessen sie hier zusammen führten.
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Das Ehepaar Senge hat die Verbindungen noch einige Jahre aufrecht erhalten können, bis die außergewöhnlichen Begegnungen am ungewöhnlichen Ort mit dem Tod Eugen Senge-Plattens endgültig vorbei waren. Die Dorfbewohner haben sich in ihrer Mehrheit an dem Geschehen nicht beteiligt, sie haben es aber teils mit Bewunderung, teils mit Gleichgültigkeit und teils mit Belustigung begleitet, immer aber mit Achtung und auch mit Stolz. Was ihr beliebter Doktor machte, konnte eigentlich nicht falsch sein. Den Künstlern gegenüber bestand allerdings eine gewisse Skepsis, vor ihnen musste man den Doktor schützen, denn die „bunten Vögel“, so nannte mal jemand mir gegenüber die Gäste des Arztes, wollten ja eigentlich nur an sein Geld. In diesem Zusammenhang gibt es eine lustige Episode, von der Frau Runte-Schranz erzählt und die ihre Freundin Cilli Leiße von gegenüber, heute verheiratete Schweigert, bestätigen kann.
Berta Steinrücke, so haben wir bereits erfahren, kam schon sehr früh in den Haushalt der Familie Schranz. Sie war eine hervorragende Köchin und besorgte alles, was eine Familie zum täglichen Leben braucht. Sie war absolute Herrin über Küche und Keller und entschied auch hin und wieder mit gesundem Menschenverstand, was für den Doktor noch gut oder was ihm beim besten Willen nicht mehr zuzumuten war. So erschien eines Tages der Architekt Hans Keller aus Mainz an der Haustür. Er war vom Hausherrn mit dem Umbau und der Renovierung des Hauses beauftragt. Als Berta Steinrücke die Tür öffnete und den eigenwilligen und originellen Herrn Keller mit Baskenmütze, Trainingshose und Lackschuhen vor sich sah, entschied sie kurzerhand, den vermeintlichen Bettler mit ein paar Groschen wegschicken zu können. Man nahm es ihr nicht übel, denn sie hatte es mal wieder gut gemeint. |