Wappen des Kurkölnischen Sauerlandes

(H)Franziska Seibertz, 1855

(H)Winterberg

(H)Gabelkreuz in Scharfenberg

(H)Wocklum

(H)Krippe auf Schloß Melschede

(H)Arnsberg

(H)Waldskulpturenweg

(H)Hof in Kirchveischede

(H)Fluß

(H)Herbstwald

(H)Mitgliederversammlung-Schloß Amecke

Die Hünenburg Meschede

Ortstermin mit der Geschichte von Leo Klinke

Hünenburg Klinke

 Leo Klinke bei seinem Referat anläßlich der gemeinsamen Sitzung von Vorstand und Redaktionsausschuß am 12. März 2010 in Oberhenneborn.
 Zusammenfassung der Facharbeit Jgst. 12, betreut durch M. Kaldewei, Gymnasium der Benediktiner Meschede

 

Weiten Teilen der Bevölkerung unbekannt liegt ziemlich genau 1500 m Luftlinie entfernt vom Mescheder Stadtzentrum die frühmittelalterliche Anlage der sogenannten Hünenburg. Ein äußerer 590 Meter langer Wall- und Grabenring umschließt einen inneren von 280 Metern Länge. Unter den Wallstrukturen haben sich Sockel- und Mauerfragmente des 8. bis 10. Jahrhunderts erhalten.

Repräsentation, Macht, Missionierung – Die Funktionen der Hünenburg

Die Stadt Meschede liegt an der Kreuzung von historischen Fernwegen, die hier in einer Furt die Ruhr überquerten. Im Norden führt der überregionale „Plackweg“ als geschichtlich bedeutende Ost-West-Verbindung vorbei. Von Südwesten aus kommend führt der „Kriegerweg“ von Siegen über Meschede nach Paderborn. Darüber hinaus ist auch die Hansestadt Soest als wichtiges Zentrum des (Salz-)Handels durch eine direkte Straße mit dem Handelsplatz Meschede verbunden. Des Weiteren verläuft über die westlichen Höhenrücken ein historischer Fernweg Richtung Hönnetal. Daher ist schon fast schon von einem Verkehrsknotenpunkt zu sprechen. Dieser führte zum wirtschaftlichen Wachstum als Handelsplatz, sodass König Otto III. im Jahr 958 der Stadt die Markt- und Zollrechte bewilligte.

Die Hünenburg ist mit großer Wahrscheinlichkeit der Stammsitz der Grafen des Lochtrop-Gaus, die um 900 in Meschede lebten. Ihre auf Handel und Heirat basierende Expansionspolitik machte sie zu den sehr einflussreichen späteren Grafen von Werl, die weite Gebiete zwischen Rothaargebirge und der Nordsee und viele wichtige vom Rhein ostwärts führenden Straßen beherrschten. An diesem wirtschaftlich und politisch strategischen Punkt errichteten sie ihren repräsentativen Stammsitz.

Hünenburg Luftbild

Größe von Hünenburg und Stadtareal im 10. Jahrhundert

Vom Ruhrübergang der Fernwege und von der mittelalterlichen Stadt Meschede gut sichtbar, ist die Hünenburg auf einem Hochplateau errichtet worden. Allein der Richtung Zentrum ausgerichtete Abschnitt der Außenmauern hat eine Länge von weit über 200 Metern und lässt sie von unten betrachtet imposant erscheinen. So legt der Standort der Burg nahe, dass sie sowohl der lokalen, wie auch der überregionalen Machtdemonstration und Repräsentation ihrer Besitzer diente.

Auf Grund ihrer Größe (vgl. Abb. Hünenburg und Stadtareal im 10. Jh.) wird die Hünenburg aber auch in Zeiten kriegerischer Auseinandersetzung, die in dieser fränkisch-sächsischen Grenzregion im Mittelalter eigentlich immer wieder gedroht hat, als Fliehburg gedient haben. Im Besonderen sind Religionskonflikte ausgetragen worden, da hier Christentum auf heidnischen Glauben stieß. So ist auch eine Funktion als religionspolitisches Druckmittel denkbar: Schutz als Fliehburg wird nur der Bevölkerung geboten, die bereits christianisiert ist, wodurch die Repression der übrigen Bevölkerungsteile verstärkt und der Druck zum Glaubenswechsel erhöht wird.

In diesem Kontext steht auch die Gründung eines Kanonissen-Stifts in der zweiten Hälfte des 9. Jahrhunderts. Erste Äbtissin ist Emhildis, die aus dem Geschlecht der Mescheder Grafen des Lochtrop-Gaus, der späteren Grafen zu Werl, stammen soll. Zehn Priester sind für die Betreuung des Konvents verantwortlich. Die große Anzahl der Geistlichen legt deren missionarische Tätigkeit in dieser Region nahe. Erst wenige Jahrzehnte zuvor war der Landstrich überaus gewaltsam durch Karl den Großen christianisiert worden, wodurch der christliche Glaube in der breiten Bevölkerung zunächst wohl auch auf massive Ablehnung gestoßen sein dürfte. Missionierung und Glaubensfestigung werden daher die obersten religionspolitischen Ziele gewesen sein.

Bereits vor 876 wird mit den steinernen Großbauten der Stiftskirche begonnen. Die Dimensionen des Baus legen nahe, dass er als repräsentatives Signal zu verstehen ist und um diese Zeit kaum durch einen tatsächlichen Platzbedarf begründet gewesen ist. Vielmehr manifestiert er den religiösen und politischen Machtanspruch der Grafen zu Werl.

Werte-Wandel –

Die Hünenburg im Zeitraffer der Geschichte

Hünenburg Infotafel

In die Jahre gekommene Infotafel

Wann genau jedoch die Hünenburg ihre Bedeutung verliert, bleibt im Dunkeln. Das Geschlecht der Grafen von Werl erlischt 1371. Bereits deutlich früher wird die Funktion der Befestigungsanlage als Fliehburg in Glaubenskriegen unwichtig geworden sein, da die christliche Missionierung rasch erfolgreich war.

Natürliche Witterung, aber auch das Abtragen und Wiederverwenden der Steine zum Bau anderer Gebäude durch nachfolgende Generationen, haben zum Zerfall der einst massiven Mauern geführt. Wie viele andere Burganlagen wurde auch diese zum komfortablen „Steinbruch“ und Baustofflager, dessen kostbares Baumaterial neuen Nutzungen zugeführt wurde.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts scheint die Hünenburg keine prägnante Landmarke für das Mescheder Stadtgebiet gewesen zu sein, denn Annette von Droste-Hülshoff, die die Region 1824 bereiste, berichtet zwar von der benachbarten Eversberger Burg, über Meschede führt sie allerdings nur aus: „... dennoch lässt sich nichts hervorheben, es gibt weder Felsen, noch Ruinen …“

1833 wird das Gelände der Hünenburg regelrecht abgetragen wie aus einem Brief, der 1878 durch F. Hülsenbeck im Rahmen von Lokalforschungen veröffentlicht wurde, hervorgeht.

Durch das Abtragen der Mauern sind die innen angeschütteten Wälle über die noch verbliebenen Mauerreste gerutscht, teilweise auch bis in die außenliegenden Gräben und haben diese mit ihrem Erd- und Geröllraum zum Teil verschüttet, sodass die Mauern heute nur noch als Erdwälle und in viel geringeren Aus maßen wahrnehmbar sind.

Des Weiteren wird im 19. Jahrhundert auf dem Gelände der Hünenburg dann ein Ausflugslokal mit Gartenwirtschaft betrieben. Hierfür planierte man das Innere der Hauptburg und Teile der Vorburg wurden terrassiert.

1971 entsteht eine erste Vision, den historischen Wert der Hünenburganlage ins Blickfeld zu rücken und sie für die Öffentlichkeit attraktiv zu gestalten. Es werden vier Hinweistafeln an verschiedenen Punkten der Burganlage aufgestellt, die Besucher über die kulturgeschichtliche Bedeutung der Anlage aufklären sollen.

1984 erfolgte dann die Eintragung der Hünenburg Meschede in die Liste der Bodendenkmäler des Landes Nordrhein-Westfalen.

Hünenburg Holzschnitt

In den danach folgenden Jahren hat jedoch das geschichtliche Interesse der Allgemeinheit an der Hünenburganlage stark abgenommen. Die Vegetation überwucherte die Wallstrukturen und hat so das charakteristische Relief der Anlage fast gänzlich unsichtbar gemacht.

Ein Hünenburgverein hat sich dafür einsetzt, dass die Burg trotzdem besucht wurde. Die Zielgruppe hat sich jedoch verlagert, da die Anlage nun für private Freiluft-Festivitäten zu buchen ist. Hierfür hat der Verein zuletzt im Sommer 2005 die jetzige Grillhütte samt Platz ausgebaut. Dabei ist es jedoch zur Zerstörung des Burgtor II gekommen. Der Tordurchgang ist ohne Absprache mit der Denkmalbehörde deutlich verbreitert worden, um die Zufahrt von Baumaschinen zu erleichtern. Der historisch mit einer Breite von 2,3 Metern am Eingang und 3 Metern am Ausgang vermessene  Zugang6 ist auf heute (nach eigener Messung des lichten Maßes) 4,4 Meter Breite vergrößert worden. Ein solch massiver Eingriff ist jedoch unvertretbar und gesetzeswidrig, da auf diese Weise historisches Allgemeingut unwiederbringlich zerstört wird.

Im Januar 2007 richtete dann auch noch der Orkan Kyrill große Schäden auf dem Areal der Hünenburg an, in dem er den dortigen dichten Fichtenbestand zu Fall brachte. Die Wurzelteller der umstürzenden Bäume haben das Erdreich aufgeworfen und dabei Wallteile abgetragen oder sogar Teile der Mauern durch Herausreißen der Steine zerstört. Dadurch sind wichtige Informationen über den Aufbau der historischen Mauern verloren gegangen. Inwieweit die Wucht des Falls der stürzenden Stämme die Mauern unter den Wällen und im Erdreich in Mitleidenschaft gezogen haben, wird sich erst bei späteren Grabungen herausstellen. Aufgrund des Gewichts und der Dichte der umgestürzten alten Bäume muss jedoch damit gerechnet werden, dass hier weitere Schäden erfolgt sein können.

Rettungsmaßnahmen

Hünenburg Modell

Reliefmodell aus dem Sauerland-Museum in Arnsberg

Für die Stadt Meschede und die Denkmalbehörde ist klar, dass der Erhalt des Bodendenkmals eine echte Herausforderung, aber auch eine lohnenswerte Aufgabe ist, da sie doch Vergangenheit und geschichtliche Wurzeln unmittelbar erfahrbar macht. Aber was erhalten werden soll, muss auch gepflegt werden. Allein schon Witterung und Umwelteinflüsse setzen einem Bodendenkmal zu. Unbeobachtet ist es aber oft noch anderen Bedrohungen ausgesetzt, vielfach aus Unwissenheit. Da helfen nur Aufmerksamkeit, Aufklärung und Pflege.

Für die Zukunft ist deshalb geplant, dass die Hünenburg eine gezielte Bepflanzung erhält. Das Konzept von Stadt, Forst und Denkmalbehörde sieht vor, dass die Burganlage durch ein Blätterdach vor Witterung geschützt wird. Aus den Erfahrungen mit Kyrill weiß man, dass eine Nadelholzbepflanzung dafür jedoch nicht geeignet ist. Daher sollen Laubhölzer zunächst recht dicht gepflanzt werden. Deren Blätterdach wird dazu führen, dass der Boden schattig bleibt und so aus Lichtmangel weniger Wildwuchs die Hünenburg überwuchern wird. Unterhalb der Baumkronen sollen etwa 6500 m² Landschaftsrasen entstehen. Dieser ist sehr dicht und bedeckt den Boden völlig, so dass auch deshalb kaum „Unkraut“ empor wachsen kann. Der Rasen wird das gesamte Burgareal samt der Wälle und Gräben überziehen. Die farbliche Gleichmäßigkeit der immergrünen Fläche lässt dann die hügelige Ober fläche klarer hervortreten und macht damit die Burganlage besser sichtbar.

Um einen Gesamteindruck von Stift, Stadt und Burg zu bekommen, ist eine Sichtachse zwischen Hünenburg und Stadtzentrum geplant. Dafür wurde bereits 2003 westlich der Burg ein größeres Areal durch die Stadt Meschede angekauft, um die zukünftige Unverbaubarkeit zu sichern. Als Basis der Sichtachse ist hier der Wald bereits gerodet. Der Ruhrübergang der historischen Fernwege an der Flussfurt, an der heute die Antoniusbrücke steht, ist aber noch immer nicht zu sehen. Um diesen Blick zu ermöglichen, müsste der Wald südwestlich der Burg geschlagen und dann lediglich mit Buschwerk wieder aufgeforstet werden. Mindestens aber müssten forstliche Rückegassen in den Waldbestand als Blickachsen gebracht werden, da diese sowieso im ungefähren Abstand von circa 20 Metern angelegt werden.

Man kann nur achten und schützen, was man kennt und versteht

Je mehr man über ein Bodendenkmal weiß, desto leichter fallen die umsichtigen Entscheidungen beim Umgang mit ihm. Daher sind Beschilderungen sehr notwendig. Diese Informationstafeln sollten anschaulich für den Besucher sein, das heißt, die Schilder müssen von dem berichten, was der Besucher in dem Moment sieht und sie müssen die Fragen beantworten, die er in dem Moment hat. Unglücklich ist es deshalb (wie bei den momentanen Info-Tafeln), wenn der Text vom weiten Blick in die Landschaft spricht, dichtes Geäst diesen aber völlig unmöglich macht. Eine solche Beschilderung und Erklärung wirkt absurd, der Besucher fühlt sich nicht ernst genommen und wird eher verärgert als informiert. Aus diesem Grund schlage ich vor, dass neue Tafeln die in die Jahre gekommenen alten ersetzen und dann mit neuen Schwerpunkten über die Geschichte der Hünenburg informieren.

Ein Bronze- bzw. Aluminiummodell der Burganlage könnte den Aufbau der Burganlage für jeden anschaulich und für sehbehinderte Menschen auch erfassbar machen.

Um die Hünenburg als Burg und nicht als bloße Hügelanlage zu zeigen, könnte man ein Teilstück der Umfriedung rekonstruieren wie es auch bei Vergleichsbeispielen gemacht wurde (z. B. Hünenburg Twistringen). Um denkmalgerecht zu arbeiten, dürfte aber lediglich das zerstörte Tor II in Form eines frühmittelalterlichen Kammertors mit einem rekonstruierten Torhaus überbaut werden. So könnten Wallteile und auch Torhaus anschaulich ihre Funktion zeigen. Wenn diese Rekonstruktion für den Besucher zugänglich gemacht würde, wäre dies natürlich besonders attraktiv, da man so den alten erhöhten Blick über das Ruhrtal und das Mescheder Zentrum nachvollziehen kann.

Mescheder Burgen-Wanderweg

Um die Hünenburg Meschede stärker im öffentlichen Bewußtsein zu verankern und um ihr neue Besuchergruppen zu erschließen, wäre sie als Teil einer neu anzulegenden Wanderroute, eines Burgenwegs, vorstellbar. Dieser sollte alle Burgen in der Umgebung Meschedes verbinden. Beginnend mit der Eversberger Burg könnte er über die Eiserkaulen, an denen im Mittelalter Eisenerz abgebaut wurde, zur Hünenburg gehen, wo dieses in früherer Zeit verhüttet wurde. Von dort könnte er zur Stiftskirche St. Walburga über die alte Furt bei der Antoniusbrücke weiter über die mit dem Stift eng verbundene Klause zum Fernweg auf das Langeloh führen, dieser ist schon im 7./8. Jahrhundert begangen worden, um darauf zum frühgeschichtlichen Friedhof bei Berghausen zu gelangen. Über die Stesser Burg könnte er schlussendlich zur Wallburg in Freienohl, neben welcher der Küppelturm errichtet ist, führen.

Zusätzlich ist zukünftig darüber hinaus natürlich auch eine Vernetzung mit den übrigen Wallburgen des oberen Ruhrtals durch Wanderwege vorstellbar.


SHB Logo-1   Vorstand    Geschichte    Schwerpunkte   Termine    Zeitschrift Aktuell    Zeitschrift Archiv    News    Fotos    Kontakt    Links  Gästebuch