Wappen des Kurkölnischen Sauerlandes

(H)Franziska Seibertz, 1855

(H)Winterberg

(H)Gabelkreuz in Scharfenberg

(H)Wocklum

(H)Krippe auf Schloß Melschede

(H)Arnsberg

(H)Waldskulpturenweg

(H)Hof in Kirchveischede

(H)Fluß

(H)Herbstwald

(H)Mitgliederversammlung-Schloß Amecke

Eröffnung des öffentlichen Begegnungs- und Kulturzentrums Kloster Bredelar/ Theodorshütte
S
AUERLAND 2008/ 4


Siehe auch www.kloster-bredelar.de

Mit einem eindrucksvollen Festakt und einem Tag der offenen Tür wurde am 17. und 18. Oktober 2008 das ehemalige Kloster Bredelar in der früheren Theodorshütte eröffnet.

Für die Wiederbelebung des ehemaligen Klosters Bredelar als kulturellem Ort zeichnet vornehmlich der Förderverein Kloster Bredelar e. V. unter seinem rührigen und umsichtigen Vorsitzenden Dr. Franz-Josef Bohle verantwortlich. Ein ehrenamtliches Engagement von beispielsetzender Bedeutung, was alle Ehrengäste, namentlich Prof. Dr. Dr. Gottfried Kiesow, Vorsitzender der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, Prof. Dr.Wilfried Stichmann, Vorstandsmitglied der Nordrhein-Westfalen-Stiftung, Dr. Wolfgang Kirsch, LWL-Direktor und Hubertus Klenner, Bürgermeister der Stadt Marsberg lobend herausstellten.

Den Festvortrag hielt Oliver Wittke, Minister für Bauen und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen, den wir wegen seiner exemplarischen Aussagekraft im Wortlaut veröffentlichen.

Den ökumenischen Segen sprachen Lothar Kuschnik, Superintendent des Kirchenkreises Arnsberg und Msgr. Prof. Dr. Konrad Schmidt, Rektor der Kath. Landvolkshochschule Hardehausen.

Den musikalischen Rahmen gestaltete das Schulorchester des Carolus-Magnus-Gymnasiums Marsberg unter Leitung von Gerhard Eberbach.


Festvortrag von Herrn Minister Oliver Wittke anlässlich der Eröffnung der Kultur- und Begegnungsstätte Kloster Bredelar am 17. Oktober 2008

Kloster Bredelar

Ich freue mich sehr, wieder einmal in Marsberg-Bredelar zu sein, und noch dazu zu einem so herausragenden Anlass! Zur Eröffnung der Kultur- und Begegnungsstätte Kloster Bredelar gratuliere ich sehr herzlich im Namen der nordrhein-westfälischen Landesregierung. Es ist etwas Großartiges geschaffen worden, das östliche Sauerland hat eine Landmarke erhalten. Dafür bedanke ich mich, auch im Namen von Herrn Ministerpräsident Dr. Jürgen Rüttgers, insbesondere bei allen Mitgliedern des Fördervereins Kloster Bredelar und namentlich beim Vorsitzenden Dr. Franz-Josef Bohle.

Als im Jahr 2000 der Förderverein Kloster Bredelar e. V. gegründet wurde, befanden sich die ehemaligen Konventsgebäude in einem heruntergekommenen baulichen Zustand; teilweise bestand sogar Einsturzgefahr. Die vorherrschende öffentliche Meinung in der Region sah nur noch die Möglichkeit des Abbruchs. Dabei hatte dieser „Schandfleck“ eine große geistige, spirituelle, kulturelle und auch wirtschaftliche Vergangenheit: Kloster Bredelar wurde 1170 als Prämonstratenserinnenkloster durch den Kölner Erzbischof Philipp von Heinsberg gegründet. 1196 erfolgte die Umwandlung in ein Zisterzienserkloster. 1238 – 1241 entstand hier die heute noch erhaltene dreibändige Bredelarer Bibelhandschrift auf Pergament mit kunstvollen Miniaturen. 1804 wurde das Kloster, das nach einem Brand 1787 wiederaufgebaut worden war, säkularisiert. 1826 richtete Theodor Ulrich eine Eisenhütte mit einer Gießerei in der ehemaligen Abteikirche und einer Fertigungshalle im Bereich des Chores ein. In der Folgezeit entstanden weitere Industriehallen und ein Bahnanschluss in der Klosteranlage. Auch Bredelar selbst entwickelte sich. Die vormals allein liegenden, das Landschaftsbild bestimmenden Konventsgebäude wurden Teil eines kleinen Ortes.

Die Eisengießereinutzung bestand bis 1931. Es folgten 28 unterschiedliche gewerbliche Nutzungen und nach dem zweiten Weltkrieg auch der Einbau von Wohnungen. Mehrere Brände veränderten zudem das Aussehen der zuvor geschlossenen Klosteranlage, in deren ehemaliger Kirche bis 1986 eine Terrazzomahlanlage betrieben wurde. Die Überlagerung der 600-jährigen Klostergeschichte von der 200-jährigen Industriegeschichte ist einmalig. Die Gesamtanlage, die 18000 m² Grundstücksund 6000 m² Nutzfläche umfasst, ist als Bau- und Bodendenkmal in die Denkmalliste der Stadt Marsberg eingetragen.

Initiative und Strategie waren gefragt, um dieses kulturelle, geistige und auch wirtschaftliche Zentrum wieder zu beleben. Das Ziel, die Gesamtanlage zu retten, haben die Väter und Mütter des Erfolges geschickt mit aufeinander aufbauenden Umsetzungsstufen angegangen. Fünf strategische Schritte lassen sich identifizieren:

1. Gründung eines Fördervereins als größte Bürgerinitiative in der Region.

2. Restaurierung der Kirchenfassade als Symbol des unaufhaltbaren Aufbruchs nach Jahrzehnten des Verfalls.

3. Kauf des größten Teils der Anlage durch den Förderverein. 4. Schaffung eines schnell nutzbaren Teilbereichs (ein Fünftel der Gesamtanlage) im Kloster, um zu zeigen, dass die historische Bausubstanz hohen Nutzwert und besondere Qualitäten hat.

5. Erarbeiten einer wirtschaftlich tragfähigen Nutzung für die Gesamtanlage und deren Umsetzung.

Durch gezielte Öffentlichkeitsarbeit, unterstützt durch schnell sichtbare bauliche Ergebnisse, bewirkte der Verein fast Wunder auf allen Ebenen. Am 11. August 2000 wurde der Förderverein Kloster Bredelar e. V. mit zunächst 28 Mitgliedern gegründet. Inzwischen hat er weit mehr als 600 Mitglieder, eine bemerkenswerte Zahl im Hinblick auf die kurze Vereinsgeschichte und auf seinen Wirkungskreis im ländlichen Raum.

Bereits im Juni 2003 konnte die restaurierte Kirchenfassade als Symbol des Aufbruchs nach Jahrzehnten des Verfalls präsentiert werden. Nach gut zwei weiteren Jahren wurden am 17. September 2005 die ehemalige Abteikirche und Teile des Westflügels als soziokulturelles Zentrum feierlich eröffnet. Die Akzeptanz auf breiter Ebene für die Erhaltung des Klosters Bredelar war damit erreicht und die Grundlagen für die weiteren Aktivitäten zur Rettung und vollständigen Umnutzung der Gesamtanlage gelegt.

Dabei blieb aber auch der denkmalpflegerische Ansatz nie auf der Strecke. Nach dem Erwerb des Klosters im Juni 2003 wurden eine Bestandsaufnahme und eine Schadens- und Befundkartierung erstellt. Die Spuren klösterlicher und industrieller Nutzung sowie die Spuren verschiedener Bauphasen sollten für jeden erkennbar bleiben. Diese Leitlinie der Restaurierung wurde planungs- und baubegleitend in Gesprächsrunden und Ortsterminen gemeinsam mit den Denkmalbehörden entwickelt und fortgeschrieben.

Nicht nur aus wirtschaftlichen und gestalterischen Gründen bleibt die Originalsubstanz unangetastet, wo immer das möglich ist. Sollte es nämlich in Zukunft noch bessere wissenschaftliche Untersuchungsmethoden geben, könnten z.B. Putz- und Farbreste weiteren Aufschluss über die Geschichte des ehemaligen Klosters Bredelar/ der ehemaligen Theodorshütte geben. Aus dem gleichen Grund werden auch die Bodenfunde im Rahmen der Bautätigkeiten möglichst nicht berührt. Sehr eindrucksvoll zeigt die wiederhergestellte Kirchenfassade, wie ein sorgfältiges Vorgehen zu einem qualitätsvollen Erhalt des Baudenkmals beiträgt. Der Farbton, welcher in besonders schöner Weise die Architekturgliederungen aus Marsberger Schaumkalkwerkstein hervorhebt, ist aus dem Spektrum der historisch nachgewiesenen Farbfassungen gewählt. Die unterschiedlichen Strukturen und Farbanstriche der verschieden alten Putze, die der Neuanstrich nicht völlig verdeckt hat, lassen Geschichte erkennen und beleben die Fassade. Besonderes Ergebnis der Untersuchungen war das Auffinden von Smalteresten an den Innenwänden des ehemaligen Kirchenraumes. Smalte, ein schon im Mittelalter synthetisch hergestellter blauer Farbstoff, ist ein Hinweis darauf, dass die Kirchenwände in diesem Bereich aus der Zeit vor dem Brand 1787 stammen.

Für den wirklich herausragenden denkmalpflegerischen Ansatz und dessen Begleitung und Umsetzung über das übliche Maß hinaus gebührt dem Architekturbüro Lohmann-von Rosenberg aus Brilon Dank.

Die Vereinsmitglieder sind und waren nicht nur konzeptionell aktiv, sondern packen auch tatkräftig zu. Insbesondere bei der Entrümpelung des Gebäudes und bei Arbeiten, die mit viel Staub und Schmutz verbunden waren, legten und legen zahlreiche Vereinsmitglieder selbst Hand an. Vorbildlich ist auch, dass der Verein eng mit der Jugendbauhütte der Deutschen Stiftung Denkmalschutz zusammenarbeitet und ständig junge Menschen im freiwilligen Jahr für den Denkmalschutz in das Projekt integriert sind.

Marketing- und Managementqualitäten auf hohem Niveau waren für Akquise, Koordinierung und Einsatz der Fördergeber und Fördermittel erforderlich. Die ungewöhnlich große Bandbreite der Nutzungen, Umbauten und Schädigungen des Baudenkmals erschwerte die genaue Kostenermittlung im Vorfeld. Oftmals mussten Bauabschnitte und Förderbereiche geändert und verschoben werden. Der Förderverein managte diese Aufgabe grandios und schaffte es, die Gewerke und Maßnahmen laufend im Einvernehmen mit den Fördergebern abzustimmen und anzupassen. Mit Hilfe der NRW-Stiftung, der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, des Landes Nordrhein-Westfalen, des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe, der Wirtschaft und privaten Spenden konnten inzwischen rd. 4,5 Millionen Euro investiert werden.

Die Investitionen haben ermöglicht, dass seit September 2005, nur fünf Jahre nach der Gründung des Fördervereins, die ehemalige Kirche als Veranstaltungsraum genutzt werden kann. Aus der Vermietung erzielt der Verein Einnahmen, die dem Erhalt der Anlage und ihrer weiteren Instandsetzung zugute kommen. Auch das Erdgeschoss des Westflügels wurde seitdem teilweise umgenutzt. Heute nun werden offiziell das Foyer sowie das Unter- und Obergeschoss übergeben. Damit sind alle für eine öffentliche Nutzung vorgesehenen Umbaumaßnahmen fertiggestellt. Im Erdgeschoss stehen Seminarräume für unterschiedliche Zwecke zur Verfügung. Im Unter- und Obergeschoss haben örtliche Vereine, wie beispielsweise der Verein für Natur- und Vogelschutz des Hochsauerlandkreises, ihr neues Domizil gefunden.

Für die weitere Nutzung wurde 2006 ein Symposium mit Unterstützung der RWE Systems Development durchgeführt. Als Ergebnis wurde ein Wohnstift für ältere und auch jüngere Menschen als Konzept für die übrigen Gebäudeteile favorisiert. Ich bin davon überzeugt, dass es nur eine Frage Zeit ist, bis auch diese Idee realisiert werden kann.

Nach wie vor sind tragende Bausteine der Erfolgsgeschichte des Vereins die Zustimmung in der Bevölkerung und die professionelle Öffentlichkeitsarbeit. Sei es der ständige Kontakt mit den Medien, die regelmäßig berichten, oder der Internet- Auftritt unter www.kloster-bredelar. de und die jährliche Herausgabe von Fotocollagen über den Baufortschritt. Zentraler Bestandteil der Öffentlichkeitsarbeit ist in jedem Jahr auch der Tag des offenen Denkmals, der immer bis zu 2500 Besucher anlockt und auch effektiv genutzt wird, um die Zahl der Vereinsmitglieder zu erhöhen. Ich bin davon überzeugt, Herr Professor Kiesow, dass Kloster Bredelar zu den Top Ten gehören würde, wenn die Deutsche Stiftung Denkmalschutz als Veranstalterin dieses bundesweiten Feiertages für den Denkmalschutz ein Ranking durchführen würde.

Bürgerschaftliches Engagement hat es erreicht, unter Berücksichtigung zeitgemäßer Denkmalgrundsätze, ein schon aufgegebenes, überregional ebenso wichtiges wie ungewöhnliches Baudenkmal zu retten. Kloster Bredelar ist ein bedeutendes Zeugnis der Geistes-, Kultur-, Sozial- und Wirtschaftsgeschichte. In einer zunehmend bindungsarmen Zeit haben die Aktivitäten des Fördervereins einem Gebäudekomplex eine Bestimmung zurückgegeben und einen Ort geschaffen, der Identität, Orientierung und Gemeinschaft bietet. Für diese vorbildliche Leistung ist der Förderverein Kloster Bredelar e.V. zu Recht mit dem Deutschen Preis für Denkmalschutz im Jahre 2007 ausgezeichnet worden.

Gute Ideen sind noch nie an leeren Geldtöpfen, sondern an hohlen Köpfen gescheitert. Gäbe es in allen Städten und Gemeinden Nordrhein-Westfalens derartig findige und engagierte Vereine, wäre mir nicht bang um den Gemeinsinn im Allgemeinen und die Denkmalpflege im Besonderen. Politik und Verwaltung tun gut daran, die Arbeit des Fördervereins Kloster Bredelar e.V. weiterhin so positiv zu begleiten und auch durch ein Scherflein zu unterstützen. Es kommt tausendfach zurück. Marsberg hat mit dem Kloster wieder die kulturelle und geistige Mitte Bredelars zurückbekommen. Das Kloster ist ein Markenzeichen, nicht nur weil es so markant an der B 7 liegt, sondern weil es für die Tatkraft der Menschen in dieser Region steht.

Ich bin heute zum dritten Mal im Kloster Bredelar. Schon beim ersten Mal habe ich Feuer gefangen für diesen kulturellen Ort, der uns zeigt, wo unsere Wurzeln stecken. Ganz bestimmt werde ich noch ein viertes, fünftes und sechstes Mal hierherkommen. Denn der heutige Tag ist eine Zwischenstation: Die äußere Hülle des soziokulturellen Zentrums ist geschlossen. Jetzt liegt es in den Händen der Menschen, die Hülle mit Leben zu erfüllen.


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