Wappen des Kurkölnischen Sauerlandes

(H)Franziska Seibertz, 1855

(H)Winterberg

(H)Gabelkreuz in Scharfenberg

(H)Wocklum

(H)Krippe auf Schloß Melschede

(H)Arnsberg

(H)Waldskulpturenweg

(H)Hof in Kirchveischede

(H)Fluß

(H)Herbstwald

(H)Mitgliederversammlung-Schloß Amecke

Geschichte zum Anfassen und Ausprobieren
Geschichte wird im Museum wieder lebendig – Ein Erfahrungsbericht

von Tim Lüdeke

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Tim Lüdeke ist 19 Jahre alt und hat 2009 sein Abitur am Gymnasium Petrinum in Brilon abgelegt. Er ist der 6. Freiwillige in der Denkmalpflege beim Museum Haus Hövener und der 1. dieser Freiwilligen, der selbst Briloner ist.

500 Häuser mit 500 Geschichten, Familien, Händler, buntes Treiben. Vor gut eineinhalb Jahren hatte ich nicht den Hauch einer Ahnung was für eine interessante Arbeit auf mich wartete.

Nachdem ich schon einige Zeit überlegte, wie ich sinnvoll meinen Zivildienst ableisten konnte, stieß ich eines Tages auf einen alten Zeitungsartikel, der über die Möglichkeiten eines Freiwilligen Jahres in der Denkmalpflege (FJD) berichtete. Sicher, so ein freiwilliges Jahr ist schon etwas länger als der übliche Dienst, aber die Idee, sich für etwas zu engagieren und dabei ein Stück Geschichte zu erhalten, oder gar aufzudecken, ließ mich einfach nicht mehr los.

Und wo könnte man dies besser als in seiner Heimatstadt? Bei weiterer Recherche entdeckte ich, dass Brilon über die verschiedensten Strukturen die Erforschung seiner Geschichte vorantreibt. So etwa der Briloner Heimatbund Semper Idem, der Geschichtsstammtisch, bei dem verschiedene Briloner Bürger die Geschichte ihrer Häuser und ihrer Familien präsentieren, der Förderverein des zukünftigen Museums Haus Hövener und natürlich das Museum selbst.

Als ich dann erfuhr, dass das Museum jedes Jahr einen Freiwilligen beschäftigte, folgten mehrere Gespräche mit der Museumsleiterin Frau Sabine Volmer und schnell war mir klar: Das ist genau das, wonach du gesucht hast!

Anschließend bewarb ich mich beim Träger der FJD, hier im speziellen bei der Jugendbauhütte Soest, um die Stelle beim Museum. Die Jugendbauhütte, das ist ein Projekt der Deutschen Stiftung Denkmalschutz in Trägerschaft der Internationalen Jugendgemeinschaftsdienste ijgd, gefördert durch das Ministerium für Bauen und Verkehr in NRW und den Landschaftsverband Westfalen-Lippe. Die Einsatzstelle im Museum wird dabei mitfinanziert vom Förderverein Haus Hövener und dem Briloner Heimatbund Semper Idem. Nachdem ich in Soest also ein Infogespräch hinter mich gebracht hatte und einen der zur Verfügung stehenden Plätze als Freiwilliger erhielt, begann ich glücklich am 1. September 2009 meine Arbeit im Stadtarchiv.

Dort befindet sich zurzeit die Quelle aller Daten für das interaktive Stadtmodell, einem Projekt des Museums und zugleich die Hauptaufgabe des Freiwilligen. Anhand dieses Modells wird die Stadt Brilon um das Jahr 1900 dargestellt. Sobald das Haus Hövener, in welchem das Stadtmuseum aufgeht, bezugsfertig ist, soll das Modell dann einen festen Platz im Erdgeschoss bekommen und heutigen, sowie folgenden Generationen Stadtgeschichte vermitteln. Das Besondere daran: Das Modell wird nie fertig, es entwickelt sich stetig weiter und integriert die aktuellen Ereignisse mit in sein Programm. Sozusagen Geschichte live.

Dank der Vorarbeit meiner insgesamt fünf Vorgänger auf der Stelle des Freiwilligen, musste ich nicht bei Null anfangen, sondern konnte auf bereits recherchierte Daten zurückgreifen. Denn stupides Dateneingeben ist hier nicht gefragt. Stattdessen Geschichte zum Anfassen.

Im Stadtarchiv warten ganze Regalreihen darauf durchsucht zu werden. Alte Akten und halb vergilbte Bauzeichnungen müssen gefunden, ausgewertet und schließlich eingepflegt werden. Zeitungsbände, teils mit dem Staub vergangener Jahrzehnte angereichert, werden vorsichtig nach jeder noch so kleinen Anzeige oder Tagesmeldung durchsucht. Es ist manchmal buchstäblich die Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Doch gerade hier kommt auch Hilfe von Seite der Briloner Bürger. Sie liefern selbst alte Fotos, stehen für Fragen zur Verfügung und – was natürlich am spannendsten ist – erzählen aus ihren Erinnerungen und unvergesslichen Ereignissen in ihrem Leben. Indem all diese Quellen nun zusammenlaufen, puzzeln sich nach und nach ganze Familiengeschichten und Verwandschaftsbeziehungen – wie ein roter Faden durch die Stadtgeschichte – zusammen, die es im Modell darzustellen gilt. Bei der geradezu akribischen Arbeit entdeckt man immer wieder neue Aspekte. Eintönigkeit oder gar Langeweile kommt garantiert nicht auf, denn keine Geschichte ist gleich, verschiedene Menschen und Objekte, deren Herkunft sich teilweise durch mehrere Länder verfolgen lassen, motivieren zu einer Arbeit, die fast schon an investigativen Journalismus erinnert. Und schließlich soll der Betrachter des Modells ja nicht nur einfach eine tabellarische Anordnung von Daten vorfinden, nein, all diese Erkenntnisse müssen dann auch noch in gut lesbare Textform gebracht werden. So macht es richtig Spaß, im wahrsten Sinne des Wortes, Geschichte zu schreiben, die gewonnenen Ergebnisse der eigenen Arbeit zusammenzufassen und unbewusst dabei selbst etwas über die Stadtgeschichte zu lernen. Wenn ich heute durch die Stadt gehe, kommt es mir manchmal vor, als habe sich alles um mich herum verändert, ja als hätte ich die Stadt nie wirklich wahrgenommen. Häuser, an denen man einst achtlos vorbeigegangen ist, offenbaren sich auf den zweiten Blick oft unvermutet als ein Schatz der Briloner Geschichte. Die Stadt wirklich zu kennen, in der man lebt, bedeutet für mich also nicht mehr nur zu wissen, wo sich welche Straße oder welches Geschäft befindet, sondern auch was sich hinter den Hausfassaden verbirgt, was dort einmal war. Indem man sich nun also mit der Geschichte seiner Heimatstadt befasst, lernt man etwas über die eigenen Wurzeln. Denn auch wenn man vielleicht nicht dort geboren ist, so ist es doch das direkte Umfeld welches einen in den vergangenen Jahren geprägt hat.

Aber mein Einsatz ist nicht nur auf das Stadtmodell beschränkt. Auch die Arbeit im Stadtarchiv bekomme ich direkt mit. So etwa, wenn es gilt zu bekannten Briloner Bürgern zu recherchieren, für Nachlassangelegenheiten die seit dem vergangenen Jahr dem Archiv zugehörigen Personenstandsregister zu durchforsten oder Familienforscher zu unterstützen. Teilweise lassen sich sogar daraus gewonnene Erkenntnisse wieder für das Stadtmodell verwenden, sodass die verschiedenen Arbeitsbereiche wie Zahnräder ineinander fassen, die die stetige Aufarbeitung der Stadtgeschichte antreiben.

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Das Briloner Stadtmuseum

Ebenso interessant zeigen sich mir aber auch die Arbeiten am Museumsgebäude. Mit großem Einsatz wird dort gearbeitet um das Gebäude als Museum zu nutzen – und auch wirklich allen Besuchern barrierefrei zugänglich machen zu können. Oft sind kreative Problemlösungen gefragt, da bei den baulichen Veränderungen natürlich auch der Denkmalwert des Gebäudes gewährleistet – und somit die Atmosphäre und Authentizität bewahrt werden sollen. Das reicht vom rückbaubaren Fluchtturm, über den Fahrstuhl und die Freitreppe, bis hin zu der Gestaltung der Zimmerwände. Zusätzlich zu dieser schon ungemein spannenden und abwechslungsreichen Arbeit, werden durch die Jugendbauhütte Soest, noch sieben Seminarwochen während des Jahres abgehalten.

In diesen Seminarwochen haben die Teilnehmer, insgesamt 21 Freiwillige, die Möglichkeit sich mit einigen handwerklichen Tätigkeiten im Bereich der Denkmalpflege vertraut zu machen. Nach gut einer Woche Arbeit stand im September auch schon das erste Kennenlernseminar an. War man auf der Fahrt dorthin vielleicht noch etwas nervös und fragte sich auf was für Menschen man treffen würde, so bot sich bei der Ankunft direkt eine entspannte, fast schon familiäre Atmosphäre, in der erste Gemeinsamkeiten bei einem lockeren Interessensaustausch gefunden und neue Freundschaften geschlossen wurden. Noch nie zuvor habe ich eine Gruppe erlebt, die so aufgeschlossen und begeistert aufeinander zuging. Kein Wunder also, dass auch die nächsten zwei Seminare zu Steinbildhauerei und Schmiede- und Einlegearbeiten ein voller Erfolg wurden. Immer wieder überrascht waren alle dabei, was sie innerhalb von nur einer Woche bewerkstelligen konnten und wie viel Spaß diese Arbeiten machten. So gestaltete jeder ein Gesicht aus einem Sandsteinblock, schmiedete verschiedene Gegenstände oder baute selbst nur aus Holz ein Kästchen samt Deckel und Furnier. Groß geschrieben wird auf den Seminaren auch die Selbstorganisation. Ein gutes Beispiel hierfür sind die täglich wechselnden Kochgruppen, die immer wieder beweisen, wie man mit einem kleinen aber doch ausreichenden Budget aus Biozutaten etwas Leckeres zaubern kann. Natürlich wird hierbei selbst eingekauft, gekocht, der Tisch gedeckt und hinterher alles wieder sauber gemacht! Schritt für Schritt lernt man so ganz unbewusst Verantwortung zu übernehmen oder sich ungefragt einzubringen, indem etwa einige bei diesen Aufgaben helfen, ohne dass sie an dem entsprechenden Tag Küchendienst hätten. Das Freiwillige Jahr ist somit zugleich auch ein Jahr des (unbewussten) sozialen Lernens. Ebenso zeigt sich dieses in den allabendlichen Runden, in denen man sich noch einmal zusammensetzt, um ein wenig den Tag Revue passieren zu lassen, Erfahrungen auszutauschen oder einfach noch ein paar Gesellschaftsspiele zu machen. Harmonische Gruppendynamik pur.

Abschließend kann ich daher nur feststellen, dass die Abwechslung zwischen der spannenden Arbeit im Archiv und diesen praktischen Erfahrungen ein ideales Komplettpacket bietet. Bedingt durch die verschiedenen Einsatzstellen, die jedes Jahr über die Jugendbauhütte betreut werden, ist für absolut jeden Geschmack etwas dabei. Ich habe jetzt schon so viele Erfahrungen gemacht, dass sich die Entscheidung für ein FJD auf jeden Fall gelohnt hat.


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