Wappen des Kurkölnischen Sauerlandes

(H)Franziska Seibertz, 1855

(H)Winterberg

(H)Gabelkreuz in Scharfenberg

(H)Wocklum

(H)Krippe auf Schloß Melschede

(H)Arnsberg

(H)Waldskulpturenweg

(H)Hof in Kirchveischede

(H)Fluß

(H)Herbstwald

(H)Mitgliederversammlung-Schloß Amecke

Hermann Springborn – ein Maler aus Oeventrop

von Karl Jochen Schulte

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Porträt Hermann Springborn, Ausschnitt
Karl Jochen Schulte, gemalt von Professor
Paul Werner Söchtig, Stillleben-, Blumen-
und Landschaftsmaler, M
eerbusch 1948,
auf Leinwand

Unvergessen ist der Maler Hermann Springborn aus Oeventrop auch noch nach seinem Tod vor sechsundvierzig Jahren. Weit verbreitet sind seine Werke in allen Bevölkerungskreisen, vor allem die Bilder aus dem Arnsberger, Oeventroper und Freienohler Raum, dem Tal der Wenne, von Hellefeld bis zum Sorpesee in der Homert, im Rothaargebirge, die wunderbaren Landschaften vom Niederrhein. Die Industrielandschaften Feldmühle in Arnsberg und Degussa in Oeventrop sind Zeugnisse einer längst vergangenen Zeit und Geschichte geworden. Landschaften und Blumenstillleben sind Zeugen für seine ehrfurchtvolle Betrachtung und Einstellung zur Natur und seinem Schöpfer.

Hermann Springborn wurde am 4. Juli 1905 in Freiburg im Breisgau geboren, wuchs auf in Kempen am Niederrhein und erlernte hier das Handwerk des Anstreichers und Malers, spezialisierte sich dann auf dekorative Arbeiten für Festdekorationen und Bühnenbilder, war tätig als Plakatmaler und zeichnete Karikaturen für Nieder rheinische Zeitungen. 1936 begegnete er hier dem rheinischen Maler Prof. Max Clarenbach, bald darauf Prof. Junghans. Beide erkannten sein Talent, ermutigten, förderten und leiteten ihn an.

Als Soldat der Luftwaffe wurde Springborn 1940 schwer erkrankt in das Reserve-Lazarett Oeventrop, das ehemalige Missionshaus der Missionare vom Hl. Herzen Jesu, eingeliefert. Von diesem Zeitpunkt an begann er als Maler – unter Förderung des Oberfeldarztes Dr. Neuenzeit – die Sauerländische Landschaft zu erfassen. Während der manchmal einige Wochen dauernden Besuche in Kempen, schuf Springborn viele Landschaften vom Niederrhein.

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Wenks Hof in Wallen, 1946 –
auf Sperrholz, 42 x 73

Der Maler beteiligte sich an der „Großen Westfälischen Kunstausstellung“ in Dortmund und Hagen, 1943/ 1944 und war vertreten auf der „Ersten südwestfälischen Kunstausstellung der Nachkriegszeit“, 1945/1946, im Sauerland-Museum in Arnsberg. Springborn wurde bekannt in Arnsberg und Umgebung, in Südwestfalen, im Ruhrgebiet und am Niederrhein. 1948 begegnete er Prof. Söchtig aus Meerbusch, der ihn in der Landschaftsmalerei und in de Sparte Blumenstillleben beeinflusste. Springborn starb am 13. Januar 1964 in Oeventrop an den Spätfolgen seines Kriegsleidens.

„In den 24 Jahren, die der Maler hier im Sauerland arbeitete, sind die Springbornbilder wirklich unter die Leute gekommen. Sie waren und sind für die Besitzer keine anonymen Bilder, denn sie vergegenwärtigen Vertrautes, und sie sind Gestaltungen eines Künstlers, den man kennt. Dadurch ist Kunst zum Nachbarn geworden – ein Gewinn an Lebenskultur, den man nicht gering schätzen sollte.“

Seit nunmehr sechsundvierzig Jahren ist der Maler nicht mehr unter uns. Gerd Keßler aus Oeventrop erinnert sich: „Im Nachkriegswirrwarr gehörte er für uns Kinder aus der Nachbarschaft zu einer festen Größe. Manche Stunden verbrachten wir in seinem Atelier. Zutritt erlaubt, auch wenn er nicht anwesend war. Die alte Stemann’sche Kegelbahn war wohl mehr Werkstatt als Atelier. Hier arbeitete er. Ein alter Kanonenofen sollte im Winter für Wärme sorgen. Meistens war er kalt, wer konnte schon Kohlen kaufen. Hermann hatte auch andere Mittel, sein Innerstes zu erwärmen. Ich sehe ihn vor mir, im Sommer in kurzer Hose auf dem Rennrad. Ein immer fröhlicher Mensch im weißen Malerkittel mit der „Pief“ im Mund, den Schalk im Nacken, trotz seiner Krankheit. Rasch und sicher fing er die Sauerländer Landschaft ein, selten auf teurer Leinwand. Meist wurden die Ölfarben auf Sperrholz oder Karton aufgetragen. Viele Bilder wurden „warm“ weitergereicht (auch zu Geburtstagen, Kommunion, Jubiläen, d. Verf.), das heißt, die Farben waren noch nicht getrocknet. Teuer waren sie nicht, die Werke von Hermann Spingborn. Vor der Währungsreform tauschte er sie ein mit Naturalien, flüssig oder fest, später bekam er DM. Viele Bilder hingen oder hängen in Sauerländischen Gasthöfen, die der Maler nach seinen Exkursionen in der freien Natur oft und gerne besuchte.“ Zu vielen Anlässen verschenkte Springborn seine Bilder in Oeventrop und Umgebung. „Die habe ich immer rumbringen müssen“, erinnerte sich Bettina, seine Tochter, im Jahr 1991.

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Am Sorpesee – Blick auf Amecke, 1947,
auf Hartfaserplatte, 67 x 49

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Blick aus dem Ruhrtal auf Freienohl, 1956
auf Sperrholz, 91 x 66

 

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Große Schmalenau, 1954, l auf Sperrholz, 65 x 47,
mit Widmung:
„Unserm lieben Rektor Brüggeman, Karl nebst Gattin,
anläßlich des Christfestes, Hermann Springborn“

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Blick vom Butterbetkenweg auf Hellefeld, 1947,
auf Sperrholz, 67 x 50

In Wald, Feld und Flur sah man ihn mit seinem kleinen Handwagen auf dem untergebracht waren: Staffelei, die Malgründe Sperrholzplatten, Presspappe, Karton, Hartfaserplatten, auf Rahmen gespanntes dichtes Sackleinen, Pinsel, Palette und seine Farben. Mancher wird sich auch heute noch fragen, woher und wie er seine Malfarben besorgen konnte, in der Kriegs – und Nachkriegszeit bis 1948, in jener Zeit, in der nicht einmal die Versorgung weiter Teile der Bevölkerung mit Grundnahrungsmitteln sichergestellt war. Das war Springborns größtes Problem. Dr. Neuenzeit besorgte während Springborns Lazarettaufenthalt durch seine Beziehungen hin und wieder „so gut es ging“ Malutensilien und Farben (Regina Springborn mündlich 1989).

Zur Herstellung seiner Ölfarben, die er für seine Bilder fast immer verwendete, rührte er die Farbpigmente mit Leinöl als Bindemittel und Terpentinersatz als Streckmittel an. Hier griff er nun auf das zurück, was er als Anstreicher und Maler gelernt hatte. Pigmente und Bindemittel organisierte er oder tauschte seine Bilder gegen die Materialien bei Anstreichern in Arnsberg und Umgebung. Mehrfach sah ich ihn auf der ehemaligen Bahnhofstraße in Arnsberg, der jetzigen Clemens-August-Straße, mit seinem

Rennrad, auf dem hinten eine Kiste angebracht war, zum Farben- und Lackgeschäft Hellmich fahren, um dort Farbpigmente und Leinöl aus der Fensterkittherstellung zu beschaffen. Seine selbst hergestellten Ölfarben entwickelten eine stärkere Leuchtkraft als die mit Kasein (Trockensubstanz aus Quark), Leim und Pigmenten von ihm gemischten Temperafarben. Die Plastizität in vielen seiner Bilder wurde mit den Ölfarben hervorragend erreicht und erzielten wunderbare Farbübergänge. Einige wenige seiner Bilder sind sowohl mit Öl als auch mit Temperafarben gemalt. Manche Betrachter meinen, diese Bilder seien noch nicht fertig gestellt, sie wirken eher stumpf statt brillant, weil mit zweierlei Mischfarben aus der Not heraus gestaltet. Pastellkreide und Kohle verwandte er für nur wenige Bilder.

Bauernhöfe malte er gerne gegen Naturalien als Auftragsarbeit und in mancher Sitzung ließen sich wieder Kontakte knüpfen zu anderen Landwirten, die dann gegen Naturalien versteht sich, einen „Springborn hängen haben wollten“. „In den Kneipen fand sich schnell um diese rheinische Frohnatur herum eine Gesellschaft, die er mit lustigen Erzählungen in Stimmung brachte. Häufig wechselte dann ein „frisch Gemaltes“ zum Ausgleich eines „Deckels“ über die Theke.“

Sport-Karikaturen aus der Feder von Hermann waren sehr gefragt und enthalten Detailtreue, Lebensfreude, Humor und Witz. In der Zusammenstellung der Spiele des TUS Oventrop bis 1949 befinden sich eine ganze Reihe seiner Karikaturen.

Am 27. April 1968 nimmt der damalige Museumsdirektor des Sauerland-Museums Artur Harder, Stellung zur Streitsache Regina Springborn und dem Landessozialgericht NRW in Essen: „Für mich war Springborn, der sich als Autodidakt nicht nur malerisches Können erworben, sondern auch ein umfassendes kunstgeschichtliches Wissen erworben hatte, ein Phänomen. Ich beantworte daher ihre Frage, ob Hermann Springborn als ernst zu nehmender Kunstmaler von Rang bekannt war, der sich mit Recht als „Kunstmaler“ bezeichnen konnte, uneingeschränkt mit „ja“.

Der Gutachter Prof. Jorg Lampe aus Essen stellt in der Streitsache und Beweisanordnung vom 30. April 1968 eindeutig fest: „Was die Arbeiten, das heißt die Bilder des verstorbenen Ehemannes der Klägerin betrifft, so habe ich zunächst zu sagen, dass sie eine Qualifikation erreichen, die die eines Absolventen der Werkgruppe Malerei an der Folkwangschule für Gestaltung nicht nur ohne weiteres erreicht, sondern sie sogar in vielen Fällen übertrifft.“ Und weiter: „Auch unabhängig von der Relation zu den Absolventenarbeiten an der Folkwankschule ist festzustellen, dass Springborn im Laufe seiner Tätigkeit als Maler eine ständig wachsende künstlerische und handwerkliche Vollende erreichte, die ihn durchaus berechtigt, sich als Kunstmaler zu präsentieren. Man merkt ihm nicht nur die gute Schule bei den bedeutenden Düsseldorfer Landschaftern Prof. Junghans und Prof. Clarenbach an, sondern er hat diese Schule auch aus Eigenem zu verwerten vermocht, also künstlerisch Eigenwertiges geleistet und ausgereift. Wenn Springborn auch durchaus als konservativer Maler im Sinne des Nach-Impressionismus zu bewerten ist, so hat er doch eben hierin ein weit überdurchschnittliches Niveau erzielt.“

Der Leiter der Werkgruppe Malerei an der Folkwangshule in Essen, Oberstudienrat Philipp Schardt, notiert in der Beweisanordnung Streitsache Regina Springborn gegen das Landessozialgericht in Essen u. a.: „Die mir durch Besichtigung bekannten Bilder des Ehemannes der Klägerin lassen ebenso wie die in den Akten enthaltenen objektiven Beweismittel ohne Bedenken den Schluss zu, dass er absolut in vollem Umfange vorgebildet war, um das Studium an der Folkwangschule für Gestaltung aufzunehmen und durchzuführen. Die von dem Ehemann der Klägerin geschaffenen Bilder lassen ohne Einwände auf eine Qualifikation schließen, die einen erfolgreichen Abschluss in der Werkgruppe Malerei der Folkwangschule gesichert hätte.

Ich habe Gelegenheit genommen, mir in den Museen in Kempen am Niederrhein/Sauerland-Museum in Arnsberg/Westfalen, die von dem Ehemann der Klägerin Herrn H. Springborn geschaffenen Bilder, Zeichnungen und sonstigen künstlerischen Arbeiten sorgfältig und eingehend zu prüfen.

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Duisburger Hafen, 1939, Schlepper, Schaluppen und Hochfen,
Pastellkreide und Kohle auf Karton, 44 x 39, unter Glas

Die künstlerische Hinterlassenschaft des Herrn Springborn zeigt, dass man es hier mit einem hochbegabten, befähigten Künstler und Kunstmaler zu tun hat. Seine in spätimpressionistischer Manier gemalten Landschaftsstücke lassen ein ernsthaftes Studium erkennen, dass – von einer delikaten Maltechnik getragen – ausdrucksstarke Kunstwerke entstehen ließ. Vieles in seinen Arbeiten weist deutlich auf die Hinleitung und den Rat, die er als extern tätiger Schüler der Professoren Clarenbach, Junghans und Söchtig in Düsseldorf erhalten hat.

Die handwerklich-technische Beherrschung der malerischen Mittel hebt ihn weit über das Mittelmaß hinaus. Durch seine Begabung, die offensichtlich mit Fleiß und Intensität gepflegt und entwickelt wurde, hat er eine Leistung vollbracht, die weit über den Rang der handwerklichen Fähigkeiten eines Malermeisters liegen.“

Der Sauerlandmaler Hermann Springborn erhielt posthum die offizielle Anerkennung als Kunstmaler und wurde zum Studium an der Folkwangschule in Essen zum Studium zugelassen, vier Jahre und fünf Monate nach seinem Tod.

Ein halbes Jahr vor seinem Tod dann sein letztes Bild. Wie hätte es anders sein können – eine Sauerlandlandschaft in Öl – die er jedoch nicht mehr vollenden konnte.

Hermann Springborn sah die Natur, seine Sauerländer Landschaft mit Respekt und Ehrfurcht liebend an. Nur so konnte sein umfangreiches Werk entstehen. Die Malerei in Öl war die klassische Vision seiner Bildgestaltung. Er musste malen, täglich immerzu. Das war seine Lebensaufgabe, in der kurzen Zeit seines Lebens. Der Maler aus Oeventrop wurde bereits schon im Jahr 1946 in die „Datenbank der Rheinisch – Westfälischen Künstler“, Katalog Nr. 28, aufgenommen.


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