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Hitda und der Hitda-Codex in Meschede
War die Stifterin eine Gräfin von Werl und Tochter Gerbergas von Burgund? Paul Leichinger
In seinem interessanten Beitrag „700 Jahre alte Bibelübersetzungen“ (Sauerland Nr. 3, 2011, S. 122) bringt der Autor Peter Bürger auch eine Abbildung aus dem Evangeliar des sog. Hitda.Codex aus Meschede mit dem in Klammern gesetzten Datierungshinweis „um 1020“. Neuerdings legt Christoph Winterer (Das Evangeliar der Äbtissin Hitda. Eine ottonische Prachthandschrift aus Köln, Darmstadt 2010, 2. Aufl. 2011, S. 28) die Datierung des Codex „in die ersten fünf Jahre nach 1000“ nahe, die nach ihm „allerdings im Augenblick weder durch eine Schriftuntersuchung noch durch historische Dokumente abgesichert werden kann“. Er weist dabei die „zweifellos hochadelige … Hitda, vielleicht aus dem Haus der Grafen von Werl, dem wahrscheinlichen Gründergeschlecht des Stifts“ Meschede zu (ebd. S. 30).
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Winter an der Ruhr Foto: Friedhelm Ackermann †
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Anton von Euw, Evangeliar der Äbtissin Hitda von Meschede, in: Vor dem Jahre 1000. Abendländische Buchkunst zurzeit der Kaiserin Theophanu, Ausstellungskatalog, Köln 1991, S. 40-42, datiert den Codex um bzw. vor 1000. Letzteres dürfte der Wahrheit am nächsten kommen. Bisher in diesem Zusammenhang übersehene Indizien deuten darauf hin, dass Hitda, die Stifterin des Codex, eine Tochter der burgundischen Königstochter Gerberga aus ihrer zwischen 978/80 und 986/88 bestehenden Ehe mit dem Grafen Hermann I. von Werl gewesen sein könnte und sie im Jahre 997 ihr Äbtissinen-Amt in Meschede angetreten haben dürfte. In diesem Jahr übertrug Otto III. in einer zu Aachen ausgestellten Urkunde dem Stift Meschede auf Bitten einer „Gerbirge comitisse“ den Besitz eines geächteten und verstorbenen Hunolt im Lochtropgau in der Grafschaft des Grafen Hermann (II. von Werl, des anzunehmenden Bruders Hitdas) an das Stift Meschede. Bei der Bittstellerin handelt es sich ohne Zweifel um die burgundische Königstochter Gerberga und vordem Gattin des Grafen Hermann I. von Werl, der in der Urkunde durchaus zu Recht der Grafentitel zugelegt wird.
Da Gerberga im Jahre 1000 das Frauenstift Oedingen mit der Maßgabe gründete, dass die Äbtissinnenwürde der Hauptlinie der Familie des Grafen Hermann II. zustehen sollte, ist die Einführung Hitdas in Meschede, mit der sie wertvolle Geschenke für das Walburgisstift (darunter das kostbare Evangeliar) verband, in die Zeit vor 1000 zu setzen, und am ehesten mit dem Jahr 997 zu verbinden, in dem sie etwa 15 Jahre alt und für die Übernahme des Äbtissinnenamtes mündig gewesen sein könnte. In welcher Weise die Bezeichnung Hitdas als peregrina (Pilgerin) mit einer Wallfahrt derselben nach Jerusalem verbunden sein kann, wie Winterer (S. 32) andeutet, bleibt offen. Als Hochadelige, die im Familienkreis der verwandten Kaiserin Theophanu aufwuchs, ist eine Wallfahrt zu einer der Hauptwallfahrtsstätten jener Zeit vor ihrem Amtsantritt in Meschede nicht auszuschließen.
Die hier vorgenommene Einordnung Hitdas in die Werler Familie und den ottonisch- burgundischen Familienkreis würde auch die kostbaren Geschenke an das Stift mit dem herausragenden Evangeliar aus der Kölner Malerschule Theophanus bei ihrer Amtseinführung erklären.
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