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Neueröffnung des Astenturms am 17. März 2006 in Winterberg SAUERLAND 2006/ 2
Die Westfälisch-Lippische Vermögensverwaltungsgesellschaft mbH (WLV), eine 100%ige Tochtergesellschaft des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe, hat im Juli 2004 den Astenturm vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe erworben und innerhalb von einem Jahr ein neues Nutzungskonzept für den Turm erarbeitet. Anschließend wurde im Juli 2005 mit den Umbau- und Sanierungsarbeiten begonnen, die im Dezember 2005 abgeschlossen werden konnten, so dass heute die bekannte Station auf dem Kahlen Asten im neuen Glanz erstrahlen kann.

Die Geschichte rund um den Astenturm ist mittlerweile über 160 Jahre alt. Schon im Jahr 1843 besuchte der König Friedrich Wilhelm IV. den Kahlen Asten, weil er, anlässlich des tausendjährigen Vertrages von Verdun, den Bau eines Aussichtsturms als Denkmal plante. Der Vertrag von Verdun war die Grundlage für die Eigenentwicklung der Reichsteile, aus denen in der weiteren Geschichte die Nationalstaaten Frankreich und Deutschland entstanden sind.
Erst im Jahr 1881 wurde dieser Gedanke, nach dem Deutsch/Französischen Krieg in den Jahren 1870/ 1871, erneut wieder aufgenommen. Schließlich erfolgte die Grundsteinlegung des „Astenbergturms“ nach sorgfältiger Planung am 22. Juni 1884 und wurde umrahmt von einem Festprogramm. Der damalige Briloner Landrat Federath lud damals alle Freunde, Gönner, Schulen und Vereine des Sauerlandes ein, um so das Grundsteinlegungsfest gebührend zu feiern.
Unmittelbar nach der Grundsteinlegung wurde mit dem Bau des Turms begonnen, in dem neben dem „Treppenhaustürmchen“ zwei Räume im und zwei Räume neben dem rd. 8,5 m tiefem Rundbauwerk untergebracht werden sollten. Im Oktober des gleichen Jahres brachte ein mehrtägiger Sturm den bereits 25 Meter hohen Turm zum Einsturz. Es wurde vermutet, dass der Turm nicht ausreichend gegründet worden war. Die richtigen Ursachen für den Turmfall konnten trotz eines Gerichtsverfahrens in den Jahren 1885 bis 1888 gegen den Bauunternehmer nicht geklärt werden. Im Jahr 1888 gelang es dem damaligen Landrat Federath erneut, private Sponsoren und den damaligen Provinzialverband Westfalen aus Münster dazu zu bewegen, für den Wiederaufbau Gelder zu bewilligen. In den Jahren 1889 bis 1895 wurde der Astenturm erneut gebaut. Nach Eröffnung des Turms verweilte u.a. auch der Münsteraner Professor Hermann Landois (Gründer des Zoos) hier. Der Professor forschte und dichtete auf dem Kahlen Asten.
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Der Astenturm
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Der Turm auf dem Kahlen Asten ist seit 1900 ein Denkmal der Provinz Westfalen und reiht sich damit auch in die Denkmale Westfalens ein wie z.B. das Hermannsdenkmal in Detmold (Einweihung im Jahr 1875), das Kaiser-Wilhelm-Denkmal in Porta Westfalica (Einweihung im Jahr 1896) und das Kaiser-Wilhelm-Denkmal in Hohensyburg (Einweihung im Jahr 1902).
Neben dieser herausragenden Stellung als Denkmal für Westfalen, zog bereits im Jahr 1918 der heutige Deutsche Wetterdienst zur Beobachtung und Dokumentation des Wetters in den Turm ein und verbreitete so den Namen „Kahler Asten“ über die Region hinaus.
Die Witterungseinflüsse auf dem Kahlen Asten setzten in den ersten Jahrzehnten den Turm so sehr zu, dass um den Turm im Jahr 1923 ein Eisenmantel gelegt werden musste. Dieser Eisenmantel hielt wegen der großen Temperaturschwankungen nicht lange stand, so dass bald viele große Stücke des Mantels schlicht abplatzten. Neben der Vergrößerung der Gastronomie im Jahr 1923, gab es im Jahr 1930 neue Planungen, die im Jahr 1937 durch zügige Umbauarbeiten des Astenbergturms umgesetzt wurden. Schon am 1. Nov. 1937 wurde der Turm nebst Gaststätte und Wetterwarte, sowie mehreren Zimmern wieder eröffnet.
Doch der Krieg setzte dem Turm ebenfalls schwere Schäden zu. Durch einen Artillerievolltreffer der Engländer wurde der Turm erheblich zerstört. Schließlich wurde der Turm von den Engländern besetzt und erst in den Jahren 1953 bis 1955 wurde mit der Beseitigung der Kriegsschäden am Turmgebäude begonnen. Seit dem Jahr 1956 dient der Astenturm zusätzlich dem Polizeifunk. Weitere Witterungsschäden zwangen 1967 die Schieferummantelung des Turms durch Kupfer zu ersetzen. Fast hätte hierbei ein Feuer bei Lötarbeiten das Gebäude vernichtet. Neben weiterer Umbau- und Erweiterungsmaßnahmen wurde1994/ 95 zusätzlich ein Ausstellungspavillon für den Zweckverband Naturpark Rothaargebirge errichtet. Der von der Bundeswehr 1970 errichtete Mast für den Richtfunk der Bundeswehr, konnte im letzten Jahr wieder zurückgebaut werden.
Ebenfalls sehr vielseitig ist die Geschichte der Turmwirte. Im Jahr 1900 gab es den ersten Turmwirt, Johannes Brinkmann. Damals wurde mit „Quatsch“ Geld verdient. Im Ausschank gab es nämlich beispielsweise ein Erfrischungsgetränk namens „Quatsch“, eine Mischung aus einem Konzentrat und Wasser, das schon damals 10 Pfennig pro Glas kostete. Der für damalige Verhältnisse teure Preis hing damit zusammen, dass der Astenturm selbst noch über keine Wasserversorgung verfügte und das Wasser aus einer über 200 Meter entfernten Quelle mittels Bierfässer zum Astenturm transportiert werden musste. Erschwerend kam die täglich lange Anreise für den Turmwirt aus Winterberg mit Pferd und Wagen hinzu. Auch sein Nachfolger, der Turmwirt Paul Klante, der das Turmrestaurant bis zum Jahr 1945 betrieb, hatte die gleichen Probleme wie sein Vorgänger, nämlich die der An- und Abfahrt sowie der Trinkwasserversorgung.
Im Inneren des Turmes war wegen der Kriegsschäden ab 1945 eine weitere Gastronomie nicht mehr möglich. Nach der Instandsetzung im Jahr 1955 übernahm der damalige „Promikoch“, Herbert Dölling, das Turmrestaurant. Er hatte bereits für Kaiser Wilhelm und den Präsidenten Eisenhower gekocht. Die mit der Instandsetzung durchgeführte Verbesserung in der Wasserversorgung reichte nicht lange. Die Winterberger Feuerwehr musste eingreifen und täglich den Brunnenbehälter in der Nähe des Turms mit Wasser füllen. Im Jahr 1962 führten Lorenz und später Gerd Deimel sowie anschließend Ralf Deimel bis zum Jahr 2005 das gastronomische Werk ihrer Vorgänger fort. Interessant ist zu wissen, dass das Wasserproblem des Turms erst Jahr 1978 gelöst wurde.
In der Geschichte des Turms wird nunmehr mit der Neueröffnung des Astenturmes eine neue Geschichte geschrieben. Diese Geschichte ermöglicht dem neuen Pächterehepaar Horst und Cornelia Mienert ebenfalls langfristige Perspektiven mit einer zeitgemäßen Gastronomie und dem neuen Berggasthof. Die Eheleute Mienert, die gebürtig aus Winterberg stammen, konnten durch ein ausgewogenes Konzept und langjährige Erfahrung in der Hotellerie im Rahmen der Bewerbungsgespräche überzeugen. Auch Sie haben durch ihre Investitionen in die Ausstattung einen großen Anteil zu dem neuen Flair des Astenturms beigetragen.
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Dr. Wolfgang Kirsch, Vorsitzender des Aufsichtsrates der WLV; Bernd Braun, Bürgermeister der Stadt Winterberg; Inge Niedeck, Wetterreporterin des ZDF und Dr. Karl Schneider, Landrat des Hochsauerlandkreises. (v. l. nach r.)
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Wie bereits erwähnt, hat die WLV als 100%-ige Tochtergesellschaft des Landschaftsverbandes im Juni 2004 die Station Kahler Asten erworben. Mit dem Blick in die Zukunft, Ideen der Architekten und der Unterstützung einer Unternehmensberatung ist ein neues Nutzungskonzept erarbeitet worden. Im Rahmen dieses Konzeptes ist der Astenturm in ein modernes Hotel mit zwei Restaurants sowie 17 Doppelzimmern und einem Konferenzbereich umgebaut worden.
Das gesamte Gebäude wurde innerhalb nur eines halben Jahres entkernt und funktional überarbeitet. Zahlreiche heimische und auswärtige Firmen und Büros halfen dabei, das Projekt nach den öffentlichen Ausschreibungen termingerecht und qualitativ hochwertig durchzuführen, ohne dass der Bauherr noch einmal „Angst vor dem Einsturz des Turmes“ haben brauchte.
Anstelle eines Kellergeschosses ist im Erdgeschoss nun ein modernes Bistrorestaurant für den Skiläufer oder Wanderer entstanden. Das Turmrestaurant, welches vormals eine Etage höher zu finden war, lädt nun im ersten Obergeschoss bei kulinarischen westfälischen Köstlichkeiten zum längeren Verweilen ein. Im zweiten Obergeschoss sind des weiteren neun und im Dachgeschoss acht Doppelzimmer des Berggasthofes, sowie die Pächterwohnung entstanden. Die Turmgeschosse wurden ebenfalls aufgewertet und werden weiter vom Deutschen Wetterdienst genutzt.
Aber auch die bekannte Ausstellung des Zweckverbandes Rothaargebirge ist neu in die Nutzung eingebunden worden, so dass der interessierte Gast neben Informationen zum Wetter dort weitere wichtige Informationen zum Kahlen Asten erfahren kann.
Die äußere Gestalt wurde durch geringfügige Eingriffe verändert, so dass der neue Eingangsbereich mit der darüber liegenden „Lounge“ für jeden Gast schon aus der Ferne sichtbar wird. Auch das Bistro öffnet sich dem Gast, so dass während der Sommermonate offene Zugänge in der Fassade den Eintritt ermöglichen. Auch der Aufstieg zur Aussichtsplattform erfolgt auf neuen Wegen. Nun erreicht man die Plattform über die schmale Eisentreppe des historischen Turmes (1884). Der Eintritt für die Turmbesteigung ist mit einem Euro gleich geblieben, wobei sich sowohl die Art des Aufstieges als auch die Informationen rund um den Turm wesentlich verbessert haben. Der Abgang erfolgt entlang der Gastronomie im Inneren des Astenturmes.
Neben der zeitgemäßen Grundrissbereinigung wurde das Gebäude mit modernster Technik und Wärmedämmung versehen, so dass der Energiebedarf zukünftig gesenkt werden kann. Hierbei wurde neben dem bekannten Kupfer im Bereich der Fassaden auch sauerländer Schiefer als Verkleidung eingesetzt, der sich die nächsten Jahrzehnte standhaft gegen die Witterung zur Wehr setzen wird.
Auch im Bereich der Außenanlagen rund um den Astenturm wurde das Konzept überarbeitet. Neben dem neuen Eingangsbereich mit der Höhenquote des Kahlen Asten von 841 m, wird insbesondere die Sonnenterrasse im Süden des Gebäudes das Ensemble positiv ergänzen. Aber auch die Parkplatzbewirtschaftung unter Mitwirkung der Stadt Winterberg, deren gestaffelte Parkgebühr z. T. in der Gastronomie angerechnet werden kann, wird dazu beitragen, dass auch zukünftig eine ausreichende Pflege und der Unterhalt der Außenanlagen gewährleistet werden kann und immer genügend Parklätze für den Besucher des Kahlen Astens zur Verfügung stehen werden.
Des Weiteren werden kurzfristig neue wertvolle Heideflächen um den Kahlen Asten entstehen, so dass anstelle des untypischen Fichten- und Mischwaldbestandes die ursprüngliche Botanik wieder Einzug auf der Bergspitze halten kann.
Die feierliche Neueröffnung erfolgte durch den Vorsitzenden des Aufsichtsrates der WLV, Dr. Wolfgang Kirsch. Grußworte sprachen der Landrat des Hochsauerlandkreises, Dr. Karl Schneider, und der erste stellv. Bürgermeister der Stadt Winterberg, Bernd Braun. Die Veranstaltung wurde abgerundet durch den Vortrag „88 Jahre Wetter auf dem Kahlen Asten“ der Wetterreporterin des ZDF, Inge Niedek.
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