Wappen des Kurkölnischen Sauerlandes

(H)Franziska Seibertz, 1855

(H)Winterberg

(H)Gabelkreuz in Scharfenberg

(H)Wocklum

(H)Krippe auf Schloß Melschede

(H)Arnsberg

(H)Waldskulpturenweg

(H)Hof in Kirchveischede

(H)Fluß

(H)Herbstwald

(H)Mitgliederversammlung-Schloß Amecke

Sauerländische Industriebilder - Wiederentdeckte Frühwerke von Engelbert Seibertz
Dr. Siegfried Kessemeier
S
AUERLAND 2005/ 3


Bildliche Darstellungen der frühindustriellen Arbeitswelt des südlichen Westfalens sind überaus selten. Sie beginnen in den 1780er Jahren im märkischen Sauerland mit Kupferstichen, die Werkplätze der Eisen- und Textilverarbeitung zeigen.

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Engelbert Seibertz: Ansicht der Olsberger Eisenhütte, 1832

Zum leichteren Verständnis für unsere Leser hier noch einmal das Titelbild aus SAUERLAND 3/2005

Erst seit den 1830er Jahren, parallel zu einem neuen technischen Entwicklungsschub, wird das Interesse an diesem Sujet lebhafter. Wiederum aus dem märkischen Westfalen kommt um 1834 ein wesentlicher Beitrag: Alfred Rethels Gemälde „Die Harkortsche Fabrik auf Burg Wetter".

Im Briloner Nachlass Hövener des Westfälischen Freilichtmuseums Detmold tauchte 2001 ein neues, bisher unbekanntes Industriebild aus dieser Zeit auf, ein Gemälde, das die „Olsberger Hütte" darstellt und 1832 datiert ist, also noch vor Rethels Bild entstand (Öl auf Leinwand, 40 x 57 cm). Erreicht es auch nicht dessen künstlerischen Rang, so ist es doch ein bemerkenswertes künstlerisches Bilddokument, das nun auch das obere Sauerland in die industriegeschichtliche Bildüberlieferung einbezieht. Eine weitere Überraschung schließt sich an: Das Gemälde ist – wie das Künstlermonogramm ausweist – ein Frühwerk von Engelbert Seibertz.

1832 war der in Brilon geborene und aufgewachsene Sohn des Juristen und Landeshistorikers Johann Suibert Seibertz gerade 19 Jahre alt. Im Herbst 1830 hatte er ein Studium an der Kunstakademie Düsseldorf begonnen, im Herbst 1832 wechselte er zur Kunstakademie München. Als er im Sommer dieses Jahres für einige Monate in Brilon war, widmete er sich seinen ersten Gemäldeaufträgen. Außer drei Porträts, von denen berichtet wird, hat er damals – sicher im Auftrag des Briloner Gewerken Richard Unkraut – auch die Olsberger Hütte gemalt.

Industriebilder dieser Zeit sind noch ganz in Landschaft eingebunden, also eigentlich Landschaftsbilder mit Industrieanlagen. So auch diese Darstellung, die traditionell bei einem Staffagebaum im Vordergrund ansetzt und sich mit einem Talausschnitt zum Hintergrund und einem stimmungsvollen Himmel öffnet. Ein bewaldeter Bergrücken tritt rechts vor den Himmel; er senkt sich links ins Tal, wo man leicht angedeutet einen Ort mit einem Kirchturm erkennt. Beherrschend erscheint im Vordergrund mit dem Schwerpunkt in der Bildmitte die Hütte. Hauptgebäude und Vorplatz sind hell hervorgehoben; über einen benachbarten Wiesen- oder Feldhang wird das Licht weiter zum Talausschnitt und rötlichen Abendhimmel geführt. Die Nebengebäude der Hütte treten, etwas im Schatten bleibend, zurück. Vielerlei miniaturhafte Figuren beleben den Vordergrund. Besonders hervorgehoben sind drei Männer, offensichtlich bei einer Inspektion; der mittlere wohl ein Gewerke, der rechte mit weisendem Arm ein Hüttenmeister. Dies entspricht einer schon seit dem 18. Jahrhundert bei Industriebildern geläufigen Darstellung.

In den geöffneten Türen des Hüttengebäudes sind zwei Arbeiter zu erkennen, ein dritter neben dem Wasserrad rechts. Aber damit nicht genug; wenn auch nur winzig und schemenhaft, entdeckt man bei den Nebengebäuden zwölf weitere Arbeiter, außerdem abseits zwei Fuhrwerke, eines unten im Tal, eines darüber auf dem Hangweg, und schließlich links am Rand neben einem Busch einen Angler. Solch eine idyllische Randfigur im Vordergrund ist ebenfalls ein traditionelles Motiv. Sechzehn Menschen und zwei Fuhrwerke also sind, kaum daß man es erkennt, im Bild verteilt: Andeutung regsamer Tätigkeit. Trotzdem sind die Bauten bestimmend. Im Mittelpunkt ein einstöckiges Gebäude, das an einem kleinen Vorgiebel Schlägel und Eisen zeigt, überragt von einem eckigen, turmartigen und mit Satteldach abgeschlossenen Bau: Es ist die Gießhalle mit dem Hochofen. Links daneben, mit dem Mauerwerk unten an die Gießhalle anschließend, ein zweistöckiges, oben in Fachwerk ausgeführtes Gebäude. Dahinter weitere Häuser, offenbar Lagerhäuser, sowie ein rechteckiger Sockel aus Bruchstein mit einer rötlichen Aufschüttung, vermutlich die Erzröste. Vorn rechts läuft ein Wassergraben oberschlächtig über ein Wasserrad; knapp am unteren Bildrand ein Bach, der ihn aufnimmt.

Der Künstler hat die topographische Situation genau wiedergegeben: die Lage der Olsberger Hütte in einem Seitental der Ruhr am Gierskoppbach, unterhalb eines Bergrückens, des sogenannten „Tannenköpfchens". Der im Talausschnitt links erscheinende Ort soll Olsberg sein. Auch die Wassernutzung des Gierskoppbaches, wichtig für den Gebläseantrieb, wird mit dem Wasserrad angedeutet. Irritierend ist der spitze Kirchturm hinter der Bergkante. Er gehört nicht zum Olsberger Ortsbild dieser Zeit, entspricht aber dem Turm der zuständigen Pfarrkirche St. Martin in Bigge. Der Maler hat ihn wohl nur kompositorisch eingefügt. Das seitlich sichtbare Türmchen indes ist das der damals noch vorhandenen Olsberger St. Nikolaus-Kapelle.
Der junge Seibertz hat mit diesem Bild in einer erstaunlichen Genauigkeit und Detailliertheit die Olsberger Hütte im Zustand von 1832 geschildert. Trotz mancher konventioneller Züge ist es eine industriegeschichtlich bedeutende Darstellung. Sie ergänzt die bisher bekannten westfälischen Industriebilder der Zeit. Der spätere Porträtist Seibertz schuf hier auf seine Weise auch ein Porträt, indem er die topographische Physiognomie eines sauerländischen Hüttenwerkes ins Bild brachte.
Bereits seit Ende des 16. Jahrhunderts an dieser Stelle bestehend und den Roteisenstein des nahen Eisenbergs nutzend, hatte die Hütte ab 1823 durch den Bau eines neuen Hochofens und die Einrichtung einer Gießerei mit Schleifwerk eine entscheidende Modernisierung erfahren, die zu einer positiven Entwicklung führte. Der Hochofen hatte eine Höhe von etwa neun Metern. Ein neues Zylindergebläse, verbunden mit einem Wasserrad von mehr als sechs Metern Durchmesser, sorgte für die Luftzufuhr. Als 1825 der Oberberghauptmann Gerhard aus Bonn die neue Anlage besichtigte, bezeichnete er sie als vorzüglich und nannte sie beispielhaft für andere Hütten im Herzogtum Westfalen. Solche waren etwa die seit 1728 betriebene Wendener Hütte (bis 1866) und die 1748 gegründete Wocklumer Hütte (bis 1864).

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Bildnis Theodor Ulrich mit der Eisenhütte
im einstigen Kloster Bredelar, 1832


Geschmolzen wurde mit Holzkohle. Nach dem Umbau war die Hütte anfangs 23–24 Wochen jährlich in Betrieb (1827), später bereits 32 Wochen (1834). Sie erzeugte zunächst jährlich 10–12000 Zentner Roheisen, später sogar 16000 Zentner. In den Jahren 1831–33 waren bei ihr zahlreiche Arbeiter beschäftigt, nicht nur Hüttenleute, sondern auch andere in ihrem Umfeld Tätige: Bergleute, Hammerschmiede, Köhler, Fuhrleute. Diese Fakten machen deutlich, was alles sich hinter der nahezu idyllisch in eine Gebirgslandschaft eingebetteten Hütte verbirgt.

Inzwischen ist im Zusammenhang der Forschungen zur Bredelarer Hütte ein weiteres Gemälde von Engelbert Seibertz , ebenfalls 1832 entstanden, in Privatbesitz aufgetaucht, das einem anderen Typus des Industriebildes entspricht: dem Unternehmerbildnis mit topographischem Hintergrund. In Seibertz' Werkverzeichnis erscheint es unter dem Titel „Bildnis des Herrn Theodor Ulrich im blauen Rock und braunen Mantel, im Hintergrund das Haus Bredelar" (Öl auf Leinwand, 60 x 50 cm).

Auch dieses Werk ist ein bemerkenswertes Dokument sauerländischer Industriegeschichte und ergänzt das Olsberger Hüttenbild. Seibertz' Begabung als Porträtmaler wird hier schon deutlich. Das Brustbild zeigt im Halbprofil nach rechts einen Mann mit energischem Gesichtsausdruck, der zusammen mit der aufwendigen Gewandschilderung und der Raffung des Mantels etwas Kühnes und Feldherrnmäßiges hat. Den Kopf hinterfängt eine bergige Landschaft mit Gebäuden. Dargestellt ist das einstige Zisterzienserkloster Bredelar, in dem Theodor Ulrich (1790-1878), aus einer der führenden sauerländischen Gewerkenfamilien stammend, 1828 eine Eisenhütte errichtete. Sie wurde nach ihm „Theodorshütte" genannt und bestand als Gießerei bis 1931.

Miniaturhaft, aber deutlich ist links vom Kopf die industrielle Nutzung der Klosterkirche, in der der erste Hochofen stand, erkennbar: eine Rauchfahne über dem Dach, eine für die Zeit typische filigrane Eisenbrücke in Dachtraufenhöhe (sie diente der Beschickung des Hochofens), darunter ein rauchender Holzkohlenmeiler (Hinweis auf den Betrieb mit Holzkohle) und ein Pferdefuhrwerk. Es ist ein in den Einzelheiten realistischer Ausschnitt, ähnlich den Miniaturen des Olsberger Hüttenbildes.
Mit der Industrieanlage links und dem stattlichen Klosterflügel rechts erscheint der Dargestellte wie ein Schlossherr. Sein Selbstbewusstsein ist unübersehbar. Seibertz hat es eindrucksvoll ins Bild gebracht. Eine Unternehmerpersönlichkeit und der Ort ihres Schaffens – ein als ehemaliges Kloster ungewöhnlicher Ort. Wie bei Rethel ein harter Kontrast: dort die Fabrik in der Burg, hier die Eisenhütte im Kloster. Die Ablösung der alten Zeit durch eine neue – in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts schritt sie unaufhaltsam voran.

Die Bredelarer Hütte verarbeitete Eisenerze aus den Ulrichschen Gruben. Sie produzierte Roheisen und Gusswaren wie Öfen, Töpfe, Geländer und Pumpenröhren. 1836 wurde ein zweiter Hochofen errichtet, 1851 ein dritter. Seibertz' Gemälde von 1832 erinnert an die Anfangsphase dieser Entwicklung.

Der erste Teil dieses Beitrages wurde mit freundlicher Genehmigung des Westfälischen Freilichtmuseums Detmold übernommen aus: Siegfried Kessemeier, Olsberger Hüttenansichten; erschienen in: Goldene Zeiten, Sauerländer Wirtschaftsbürger vom 17. bis 19. Jahrhundert, hrsg. von Stefan Baumeier und Katharina Schlimmgen-Ehmke, Essen 2001.


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