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150 Jahre Schlossherren in Canstein Dr. Erika Richter SAUERLAND 2005/ 1
Besuchen Sie Schloss Canstein im Internet unter www.burgen-und-schloesser.net
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Schloss Canstein entnommen der oben genannten Website
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Das Schloss Canstein an der Grenze Nordrhein-Westfalens zum Land Hessen ist nicht nur den Bewohnern des Hochsauerlandes, sondern weit darüber hinaus durch den Schloßherrn Alexander v.Elverfeldt bekannt. Rührig und beredt ist er Vorsitzender in zahlreichen Gremien der Forst-und Landwirtschaft und insbesondere auch an allen geschichtlichen Vorgängen unserer Region hochinteressiert. Seine eigene Biographie hat er in einer mehrbändigen Lebensgeschichte farbig und flüssig erzählt, natürlich hat auch SAUERLAND darauf verwiesen. So ist uns der erzählfreudige Freiherr persönlich nahe gerückt, und wir nehmen nun gern ein Bändchen in die Hand, das er einem Jubiläum besonderer Art gewidmet hat: „50 Jahre Familie von Elverfeldt in Canstein".
Die Spanne von 150 Jahren mag historisch gesehen nicht besonders beeindruckend sein, für Westfalen ist es aber eine Phase stärkster Veränderungen, und ein Ahnherr der Everfeldts stand mitten in dem umwälzenden Prozess, der das ländlich-idyllische Gebiet an Ruhr und Emscher in eine dynamisch-expandierende Industrielandschaft verwandelte. Ludwig Johann Freiherr von Elverfeldt hatte als Unternehmer an dem industriellen Aufschwung aktiv und erfolgreich mitgewirkt, er wurde zu einem der bedeutendsten Unternehmer im Kohlebergbau. Doch als immer mehr Schlote im Ruhrrevier rauchten, besann sich der auf die Sechzig zugehende Ruhrbaron auf seine Neigung zur Landwirtschaft und suchte nach einem weniger rußigen Betätigungsfeld. Als Ziel seiner Suche fand er die Herrschaft Canstein, die er 1853 dem Prinzen von Croy für 124000 Taler abkaufte. Alexander v. Elverfeldt berichtete 2003 in der kleinen Jubiläumsschrift ausführlich über den damaligen Umfang (immerhin 1350 ha) und den (schlechten) Zustand Cansteins. Der Kaufvertrag ist als Beispiel für die Situation großer westfälischer Güter interessant, weil u.a. die Ablösezahlungen für die Bauern aus den Lehnsverhältnissen einkalkuliert werden mussten und große Teile der Herrschaft aus Hude und Wildland bestanden. Der neue Besitzer ließ die Hude und die Unlandfläche durch Drainage in Acker umwandeln. Die Intensität, mit der er sich an die Verbesserung seines Gutes machte verdeutlicht der Autor mit Ausschnitten seiner Korrespondenz aus den Folgejahren des Ankaufs, als er den Besitz durch neu erbaute Güter (wie Forst und Udorf) erweiterte und das Schloss Canstein vollständig umbaute. Als er am 2.3.1873 starb, widmete ihm die Lokalpresse einen hier abgedruckten überschwänglichen Nachruf als eines „Wohlthäters seiner Mitmenschen".. . Auch der Verfasser beschließt die Darstellung seines Urgroßvaters mit einem Lob:"150 Jahre und fünf Generationen nach seinem Entschluß zum Kauf von Canstein gedenken die Mitglieder der Familie von Elverfeldt in Dankbarkeit seiner Persönlichkeit."
Er ergänzt die Schilderung des Wirkens von Ludwig Johann mit "Geschichten aus drei Generationen ".Zunächst folgen Berichte von den Lieblingspferden und den Fahrkünsten seines Großvaters, dann Jagderlebnisse des Vaters. Besonders lesenswert sind einmal die amüsante "Jagdkönigsrede" (S.21-30), dann die Erinnerungen aus seiner schlimmen Zeit als russischer Kriegsgefangener. Selbstverständlich fehlt der Verfasser nicht mit anschaulich erzählten Jagdgeschichten „Nahkampf mit Sauen", "Der Muffelwidder" und mit humorvoll ausgemalten Episoden aus der Familie "Der explodierte Pudding". Für den Kenner der Lebenserinnerungen ersteht das Porträt des Autors neu und plastisch in seiner Liebe zur Technik „Mein erster VW-Käfer", zur Natur, zu seiner Familie und seiner Heimat, und er dankt dem Verfasser für das neue Lesevergnügen aus Canstein.
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