Wappen des Kurkölnischen Sauerlandes

(H)Franziska Seibertz, 1855

(H)Winterberg

(H)Gabelkreuz in Scharfenberg

(H)Wocklum

(H)Krippe auf Schloß Melschede

(H)Arnsberg

(H)Waldskulpturenweg

(H)Hof in Kirchveischede

(H)Fluß

(H)Herbstwald

(H)Mitgliederversammlung-Schloß Amecke

Und die Geschichte bewegt uns doch –

Eröffnungsfeierlichkeiten zur Sonderausstellung „Kurfürst, Adel, Bürger” anlässlich der
Sonderausstellung des Sauerland-Museums am 25. Oktober 2009  von Kathrin Ueberholz

Buchpräsentation

Eine gut besuchte Eröffnungsveranstaltung im Sauerlandttheater

Grußworte sprachen Landrat Dr. Karl Schneider,
Karl Peter Brendel, Staatssekretär im Innnenministerium des Landes NRW,
Dr. Wolfgang Kirsch, Direktor des Landschaftsverbandes Westfalen Lippe und
Dieter Wurm, Vorsitzender des Sauerländer Heimatbundes

Die eintrudelnden Anmeldungskarten zur Ausstellungseröffnung kündigten das rege Interesse an der Sonderausstellung des Sauerland-Museums bereits an und so war es nicht verwunderlich, dass mit rund 400 Gästen das Sauerland-Theater gut gefüllt war. Auf Grund der beengten räumlichen Verhältnisse wich man für die Festreden und Grußworte ins Sauerland-Theater aus.

Geschichtsinteressierte von Nah und Fern, ob wissensdurstige Laienforscher, die Autoren des zweibändigen Buchprojektes „Das kurkölnische Herzogtum Westfalen“, Heimatpfleger und Heimatfreunde, sie alle waren zusammengekommen, um den zahlreichen Begrüßungsworten der Schirmherren und der „ideellen Geburtshelfer“ sowie dem Festvortrag von Prof. Dr. Dr. Harm Klueting zu lauschen.

Musikalisch eingebettet wurden die Redebeiträge durch das Kammerorchester Olsberg der Musikschule Hochsauerlandkreis unter der Leitung von Georg Scheuerlein. Die ausgewählten Musik- und Tanzmusikstücke des 18., 20. und 21. Jahrhunderts bildeten eine musische Parallele zum Ausstellungsthema „Kurfürst, Adel, Bürger“ und ließen sowohl einen Ausblick in die höfische und bürgerliche als auch in die populäre filmische Klangwelt zu.

Der Landrat des Hochsauerlandkreises, Dr. Karl Schneider, eröffnete den Rednerreigen, indem er auf die noch heute zu findenden kurkölnischen Spuren und Traditionen im ehemals kurkölnischen Herzogtum Westfalen verwies. Mit einem Dank an die zahlreichen Leihgeber, an die Sponsoren und die helfenden Hände endeten seine Grußworte. Als nächstes sprach Karl Peter Brendel, Staatssekretär im Innenministerium des Landes Nordrhein-Westfalen, seine Grußworte. In Vertretung des Ministerpräsidenten Dr. Jürgen Rüttgers dankte er dem Sauerländer Heimatbund, sowohl diese Sonderausstellung im Sauerland-Museum als auch das zweibändige Buchprojekt unter der Leitung des Westfalen-Kenners Prof. Dr. Dr. Harm Klueting initiiert und gefördert zu haben. Er bezeichnete beide Projekte als wichtigen Beitrag für das heimatbezogene Geschichtsbewusstsein und Selbstverständnis. Abschließend übermittelte er den Wunsch des Innenministeriums, dass sowohl die rheinische als auch die westfälische Geschichtsschreibung in einer nordrheinwestfälischen Geschichtsschreibung aufgehen mögen.

Der Direktor des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe, Dr. Wolfgang Kirsch, griff diesen Punkt auf und betonte, dass die Geschichte des Herzogtums Westfalen aufs engste mit der Geschichte des übrigen Westfalen verbunden und deshalb ebenfalls für Nicht-Sauerländer interessant sei. Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe verstehe sich, so Kirsch, als westfälische Klammer, der über seine Satzungen hinaus Projekte wie diese unterstütze, sei es pekuniärer Art oder wie bei dieser Ausstellung durch das Ausleihen von Exponaten aus dem LWL-Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte in Münster.

Der Vorsitzende des Sauerländer Heimatbundes, Dieter Wurm, hob hervor, dass mit der zweibändigen Publikation des Herausgebers Prof. Dr. Dr. Klueting ein lang ersehnter Wunsch endlich in Erfüllung ginge, die historische Landschaft des Herzogtums Westfalen in einem wissenschaftlichen Handbuch aufzuarbeiten.

Der seit September käuflich zu erwerbende erste Band diente mit kleinen Einschränkungen als Grundlage sowohl für die Konzeption der Sonderausstellung in Arnsberg und als auch für den reich bebilderten Ausstellungskatalog des Sauerland-Museums. Abschließend äußerte Dieter Wurm den Wunsch, dass durch den Besuch der Ausstellung die regionale Identität des kurkölnischen Sauerlandes vermittelt werde. Mit der Fragestellung „Was geht uns im Zeitalter der Globalisierung die Geschichte einer Region wie die des kölnischen Herzogtums Westfalen an?“ schloss sich der Festvortrag von Prof. Dr. theol. Dr. phil. Harm Klueting an.

Mit Hilfe der Skizzierung eines Art „geschichtlichen Zeitraffers“ verdeutlichte Harm Klueting die veränderte politische, soziale, ökologische und ökonomische Situation des ehemals kurkölnischen Herzogtums Westfalen. Kritisch fragte er das Auditorium, ob die wissenschaftliche Aufarbeitung dieser komplett andersartigen vergangenen Epoche nur aus einer bloßen Heimatliebe resultiere. Warum Gelder aus den verschiedensten Quellen für ein solches Forschungsprojekt und eine Ausstellung ausgegeben werden, obwohl dieser Landstrich heutzutage nurmehr als idyllische Provinz wahrgenommen werde, die seine einstige politisch-historische Bedeutung verloren habe? Provokant hinterfragte er die Unterstützung der lokalen Geschichtsforschung als mögliche Angst vor einem Banausentum. Oder wird hier Geschichte missbraucht, um ein positives Image sowohl für Konzerne, lokale Firmen, politische Verbände oder Privatpersonen zu gewinnen?

Harm Klueting fragte weiter, ob die Motivation aus einer Art Nostalgie heraus resultiere, die, wie bei mittelalterlichen Ritterspielen auf vermeintlich historischen Märkten, ins Infantile abzurutschen drohe. Wird Geschichte zur bloßen „Erinnerungspolitik oder Erinnerungskultur“ verunstaltet, die sich politisch ausschlachten lässt, so eine weitere rhetorische Frage von ihm.

Seine durchaus provokanten Anfragen endeten jedoch in der Bestärkung, Geschichte sei wichtig für das Jetzt und Hier. Die Geschichte, so Klueting, lebe im kollektiven Gedächtnis weiter und bilde das kulturelle Gedächtnis, ohne dass die Menschheit krank oder gar zum Schwachsinn neigen würde. Das nur in der Gegenwart geführte Leben wäre eindimensional und zum Scheitern verurteilt. Das Humane bedeute, Geschichte zu haben. Die Frage nach der Historie sei eine humane Vergewisserung des Einzelnen an dem Ort, an dem er lebe. Gerade das Menschliche zeichne sich dadurch aus, dass man eine Historie habe und eine wie auch immer geartete Religion lebe. Mit Hilfe der Geschichtsschreibung wird dem Mensch gleichfalls ein Spiegel vorgehalten, so Klueting, der uns zeige, welch überhebliche Zwerge wir sind, trotz unseres Fortschritts und unserer Technik.

Nach Abschluss dieser feierlichen Grußworte und der Festrede folgte der Rundgang durch die Räumlichkeiten des Sauerland-Museums. Die dort präsentierten wertvollen geschichtlichen und kunstgeschichtlichen Exponate legen wahrlich ein beeindruckendes Zeugnis dieses historischen Raums und seiner Geschichte ab.


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