Wappen des Kurkölnischen Sauerlandes

(H)Franziska Seibertz, 1855

(H)Winterberg

(H)Gabelkreuz in Scharfenberg

(H)Wocklum

(H)Krippe auf Schloß Melschede

(H)Arnsberg

(H)Waldskulpturenweg

(H)Hof in Kirchveischede

(H)Fluß

(H)Herbstwald

(H)Mitgliederversammlung-Schloß Amecke

Winterhilfswerk (WHW), Reichsrundfunkgesellschaft (RRG),
Kraft durch Freude (KdF) –
Propagandainstrumente des Nationalsozialismus

von Dr. Jrgen Schulte-Hobein

Das „Winterhilfswerk des Deutschen Volkes“ (WHW) sammelte von 1933 bis 1943 in den Wintermonaten Geld- und Sachspenden bei der Bevölkerung zur Unterstützung hilfsbedürftiger Menschen. Die monatlichen Haus- und Straßensammlungen führten Angehörige fast aller NS-Organisationen durch, vor allem die Hitlerjugend (HJ) und der Bund Deutscher Mädel (BDM). Zusätzlich wurde Erwerbstätigen in den Wintermonaten ein Betrag in Höhe von 10% ihres Steueraufkommens abgezogen. Auch die Arbeitgeber mussten einen bestimmten Satz spenden.

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Werbemotiv für das WHW auf einer Postkarte von 1940/41.
Die Spendendosen wurden im sauerländischen Neheim hergestellt.

 

Türplakette mit Hinweis auf Eintopfsonntage

Die Spender erhielten Abzeichen, mit denen sie ihre Spende dokumentieren konnten. Aus den Einzelstücken der Anfangszeit wurden ganze Serien, so dass der Erwerb eines Abzeichens zur Vervollständigung der ganzen Serie anregte und damit zum regelmäßigen Spenden animierte. Bei der Vielfalt der Motive war für jeden Geschmack etwas dabei: Wappen und Tierkreiszeichen, Vögel und Schmetterlinge, regionale Trachten, berühmte Deutsche, Heil pflanzen, Verkehrszeichen, Figuren aus dem Erzgebirge, Weihnachtsmotive, Fachwerkhäuser, Waffengattungen, aber auch Hitler-Fotos und NS-Symbole. Größere Plaketten aus Papier oder Metall sollten an Haus- oder Wohnungstüren angebracht werden, um die Bewohner als Spender auszuweisen, was zugleich werbewirksam war.


Zu den propagandistisch wirksamsten Aktionen zählten die „Eintopfsonntage“. Alle „Volksgenossen“ sollten am ersten Sonntag der Monate Oktober bis März das Gleiche essen. Gaststätten und Privathaushalte waren verpflichtet, nur einfache und kostengünstige Eintopfgerichte anzubieten bzw. zu verzehren. Das für ein anderes Sonntagsessen ausgegebene und damit gesparte Geld musste dem Winterhilfswerk gespendet werden. Auch Adolf Hitler und Joseph Goebbels nutzten die Volkstümlichkeit der Hausmannskost, um durch ihr öffentliches Eintopfessen eine scheinbare Gleichheit von „Volk und Führer“ zu demonstrieren.

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TELEFUNKEN Fernsehempfänger FRE III von 1934, eines der ersten vollelektronischen Wunderwerke

Das WHW förderte besonders kinderreiche Familien, Langzeitarbeitslose, Arbeitsunfähige und Rentner in Form von Sachleistungen. Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges wurden durch das umbenannte Kriegswinterhilfswerk auch Witwen, Waisen, Flüchtlinge und Kriegsinvaliden unterstützt. Die Spendensumme erreichte im Winter 1942/43 den Höchstbetrag von fast 1,6 Millionen Reichsmark. In den letzten Kriegsjahren erschöpfte sich die Spendenbereitschaft immer mehr, da zu viele Spender selbst bedürftig geworden waren.

Die Nationalsozialisten bezeichneten das Winterhilfswerk des Deutschen Volkes als die „größte soziale Einrichtung, die es auf der Welt gibt“. Dabei stammte die Idee aus der Endphase der Weimarer Republik. Beim Winterhilfswerk der Nationalsozialisten traten jedoch an die Stelle individueller, nur dem eigenen Gewissen verpflichteter Hilfs- und Spendenbereitschaft aus Humanität und christlicher Nächsten liebe, organisierte Kampagnen, denen sich kaum jemand entziehen konnte. Im Sinne der NS-Ideologie unterstützte das Regime vorrangig die „Erbgesunden“ und „rassisch Hochwertigen“. Juden, behinderte Menschen oder solche, die als „asozial“ oder politisch verdächtig galten, wurde jede Hilfe verweigert.

Zugleich diente die Spendensammlung dem Zusammengehörigkeitsgefühl im Sinne einer „nationalsozialistischen Volksgemeinschaft“. Der wirtschaftliche Nutzen lag für die Nationalsozialisten keineswegs nur in der Unterstützung Hilfsbedürftiger, bot doch die Entlastung des Staatshaushaltes von Sozialausgaben eine willkommene Möglichkeit, die eingesparten Mittel in die von Anfang an geplante und sehr kostenintensive militärische Aufrüstung investieren zu können.

Der Dauerappell an die Opferbereitschaft und die ständigen Belästigungen durch die Sammler sorgten mit der Zeit auch für Unmut und Verärgerung. Gerüchte darüber, dass die Spendengelder nicht immer ihre Adressaten erreichten, machten die Runde. Aus dem Kürzel WHW für Winterhilfswerk wurde im Volksmund „Wir hungern weiter“ oder auch „Waffenhilfswerk“. Die Parole der Winterhilfswerksaktion von 1937 „Ganz Deutschland sammelt sich zur großen Winterschlacht“ hatte prophetischen Charakter. Wenige Jahre später wurde sie zur schrecklichen Wahrheit.

Die Reichs-Rundfunk- Gesellschaft (RRG)

Die im Mai 1925 gegründete Reichs- Rundfunk-Gesellschaft wurde bald nach dem 30. Januar 1933 gleichgeschaltet und dem Propagandaministerium unter Leitung von Goebbels unterstellt. Um mit dem Rundfunk eine Höchstzahl an Hörern politisch beeinflussen zu können, setzten die neuen Machthaber mit der Herstellung von preiswerten „Volksempfängern“ die Massenherstellung von Radioapparaten auch für „ärmste Volksgenossen“ umgehend in die Tat um. Hierdurch stieg die Hörerzahl von 4,2 Millionen im Jahr 1932 auf 12,5 Millionen im Jahr 1939 rasant an. Für das gemeinsame Radio hören und zur politischen Beeinflussung in den Betrieben wurde ergänzend ein „Arbeitsfrontempfänger“ produziert.

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Die deutsche Reichspost hatte schon Ende 1926 damit begonnen, in die Entwicklung des Fernsehens einzusteigen. Am 22. März 1935 verkündeten die Nationalsozialisten den „ersten regelmäßigen Programmdienst der Welt“. Während der olympischen Sommer spiele 1936 lief die NS-Propaganda auf vollen Touren. Mit einer weltweit ersten elektronischen Fernsehkamera ließ die RRG das olympische Geschehen, für Fernsehübertragungen einfangen. 162 000 Zuschauer konnten die Ereignisse in 27 Fernsehstuben verfolgen. Nach weiteren Planungen sollte der Fernsehempfang im ganzen Reich ermöglicht werden. Doch mit 2000 bis 3000 Reichsmark lag  der Preis für ein Gerät sehr hoch. Deshalb begann man damit, den einfach zu bedienenden „Deutschen-Einheits-Fernsehempfänger“ zum Preis von 650 Reichsmark zu entwickeln. Von diesen kamen 1939 mit guter Funktion 50 Stück auf den Markt, eine weitere Produktion verhinderte der Krieg.

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KdF-Reisebroschüre, 1937
 

Werbebroschüre zum Sparmarkenkonzept für den KdF-Wagen, 1938


Nach Kriegsausbruch wurde die Produktion ziviler Rundfunkempfänger zugunsten militärischer Funkgeräte zurück gefahren. Die Rundfunkprogramme änderten sich: Nachrichten, Berichte über den Frontverlauf und Marschmusik lösten einander ab. Das Abhören ausländischer Sender wurde schwer bestraft. Die Soldatensender an der Front waren in der Nähe der kämpfenden Truppe positioniert. Als Empfänger dienten transportable Kofferradios, Volksempfänger, das „Kommissbrot“ genannte kleine Philipps-Radio und häufig einfache Detektor-Empfänger. Dabei blieb die vom Rundfunk ausgestrahlte politische Propaganda ein ständiger Begleiter der Soldaten bis zur Kapitulation der deutschen Wehrmacht am 8. Mai 1945, als der letzte Sender Flensburg sein Programm beendete.

Kraft durch Freude

Die NS-Gemeinschaft Kraft durch Freude (KdF) galt als die populärste Einrichtung im „Dritten Reich“. Sie war eine Unterorganisation der Deutschen Arbeitsfront (DAF) und hatte die Aufgabe, die Freizeit der deutschen Bevölkerung zu gestalten, zu überwachen und gleichzuschalten. Die Organisation bestand von 1933 bis 1945, jedoch wurden die meisten Aktivitäten mit Beginn des Zweiten Weltkrieges 1939 eingestellt. Die wichtigsten Programme waren das Volkswagenprojekt und die Veranstaltung von Nah- und Fernreisen. Daneben gab es weitere umfangreiche kulturelle und touristische Freizeitprogramme wie Konzerte, Theateraufführungen, Vorträge, Kunstausstellungen, Schachturniere, Nähkurse, Schwimmlehrgänge und Bastelkurse.

Die NS-Propaganda stellte besonders das Reiseprogramm heraus. Zwischen 1934 und August 1939 machten rund sieben Millionen Deutsche mit KdF-Reisen Urlaub. Hinzu kamen gut fünf Millionen Kurzreisen und über 900 000 Wanderungen. An den Hochseefahrten nach Norwegen, Madeira, Griechenland oder Italien auf KdF-eigenen Schiffen nahmen jährlich mehr als 100 000 Personen teil. An KdF-Fahrten sollten grundsätzlich alle Schichten der Bevölkerung teilnehmen können. Daher waren die Preise äußerst niedrig gehalten und lagen zwischen einer und fünf Reichsmark für Kurzreisen. Zusätzlich sollten in fünf gigantischen Seebädern jeweils 20 000 Menschen gleichzeitig zwei Wochen im Jahr Urlaub machen können.

Bereits 1934 gab Hitler dem Automobilbauer Ferdinand Porsche (1875 - 1951) den Auftrag, einen Kleinwagen für das Volk zu konstruieren. Die propagandistisch inszenierte Grundsteinlegung für das „KdF-Werk“ erfolgte am 26. Mai 1938 beim niedersächsischen Fallersleben, heute Wolfsburg. Neben der eigentlichen Produktionsstätte entstand die „Stadt des KdF-Wagens“ für vorgesehene 90 000 Menschen.

Um großen Teilen der Bevölkerung den Erwerb des 990 Reichsmark teuren KdF-Wagens zu ermöglichen, entwarf die Deutsche Arbeitsfront (DAF) ein Sparmarkenkonzept. Das Ansparen erfolgte mit wenigstens einer Wertmarke zu 5 Reichsmark pro Woche, die man auf eine Sparkarte klebte. Nach dem Modell der Sparkarte wäre der KdF-Wagen nach vier Jahren angespart gewesen. Aber die etwa 300 000 Sparer warteten vergebens auf ein Auto, denn zu einer Serienproduktion kam es wegen des Krieges nicht mehr. Stattdessen wurden die vom KdF-Wagen abgeleiteten Kübel- und Schwimmwagen für das Militär gebaut. Erst Anfang der 60er Jahre zahlte der VW-Konzern den ehemaligen Sparern eine geringe Entschädigung.

Die KdF-Reisen führten oft in Ab - steigen der untersten Preisklasse. Viele Hoteliers und Transportunternehmer sträubten sich, KdF-Reisende aufzunehmen, weil mit ihnen kein Gewinn zu machen war. An den teueren Seereisen nahmen nur sehr wenige Arbeiter teil, da diese bei einem Monatseinkommen von rund 150 Reichsmark nahezu unerschwinglich waren. Von den fünf gigantischen Seebädern wurde nur das Seebad Prora auf Rügen realisiert, jedoch kamen auch hier die Arbeiten wegen des Kriegsausbruches zum Erliegen.

In der NS-Ideologie war Freizeit als Selbstzweck nicht denkbar, sondern musste im Dienst des Staates und des Volkes stehen. Der Grundgedanke war, der Arbeiterschaft in ihrer Freizeit die Möglichkeit zur Erholung zu geben. Diese sollten allerdings nicht dem Amüsement dienen, sondern gezielt die Kräfte der arbeitenden Bevölkerung wiederherstellen. Das deutsche Volk sollte in der gemeinsam verbrachten und kontrollierten Freizeit zu einer körperlich gesunden, kriegstüchtigen und anderen Völkern überlegenen „Volksgemeinschaft“ zusammengeschweißt werden. Zugleich planten die Machthaber mit Hilfe von KdF die im Zuge der Aufrüstung notwendigen Produktionssteigerungen ohne nennenswerte Lohnerhöhungen durch zusetzen. Damit diente KdF auch der Kriegsvorbereitung.

Die Sonderausstellung zeigt zahlreiche Exponate und Alltagsgegenstände aus der Zeit zwischen 1933 und 1945 wie z. B. das weltweit erste Fernsehgerät von 1934. Sie versucht die Einschätzung, dass es sich hierbei um die guten Seiten des Regimes gehandelt hat, zu entlarven.

Zur Ausstellung, die noch bis zum 30. Januar 2011 im Sauerland-Museum gezeigt wird, ist eine reich bebilderte Broschüre erschienen (Preis 4,95 €). Infos zu Führungen erhalten Sie unter (0 29 31) 40 98.


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